Agrar

Afrikanische Schweinepest und Corona: Preisdruck spürbar

Vor anderthalb Jahren konnten Schweinemäster noch gute Preise für ihre Tiere erzielen. Dann erreichte die Afrikanische Schweinepest auch Deutschland, und die Folgen der Gastro-Schließungen in der Corona-Zeit kamen hinzu.

Von dpa 05.09.2021, 07:29
Ein Mastschwein steht in seinem Stall.
Ein Mastschwein steht in seinem Stall. Andreas Arnold/dpa

Damme/Hannover - Ein knappes Jahr nach dem ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland sind die Schweinehalter unter deutlichen Preisdruck geraten. „Wir haben einen Absatzstau, der zu einer deutlichen Preiskrise geführt hat“, sagte Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), in Damme bei Vechta. Derzeit fehlten den Landwirten pro Schwein gut 50 Euro Erlös. Dabei sei das Angebot an Schlachtschweinen so gering wie zuletzt 2007.

Wegen der ASP seien einerseits wichtige Absatzmärkte wie etwa der chinesische weggebrochen. Andererseits mache sich noch immer die Corona-Krise bemerkbar, weil die Gastronomie und System-Gastronomie als Abnehmer fehlten, sagte Staack. Außerdem sei in den vergangenen Monaten viel Fleisch eingefroren worden; diese Mengen drückten ebenfalls auf den Markt. Zugleich gebe es auch von anderen europäischen Nachbarstaaten, die ebenfalls in China gesperrt wurden, ein größeres Fleischangebot in Deutschland, etwa aus Spanien. „Das sind alles Folgen der ASP und von Corona“, sagte Staack.

Der Vizepräsident des niedersächsischen Bauernverbandes Landvolk, Jörn Ehlers, wies auch auf die deutlich gestiegenen Futterpreise hin, die die Landwirte nicht an die Schlachthöfe und den Einzelhandel weitergeben könnten. Das als Futtermittel benötigte Getreide sei aufgrund einer schlechteren Ernte wegen des Wetters extrem teuer geworden. Das freue natürlich Landwirte, die auch Getreide anbauen, verteuere aber letztlich für viele Bauern die Produktion enorm.

„Da überlegen viele Landwirte im Moment, ob sie überhaupt noch einstallen, oder ob sie den Stall eine Zeit lang leer stehen lassen“, sagte Ehlers. Manch ein Betrieb werde auch komplett die Schweinehaltung aufgeben, die Konzentration in der Landwirtschaft weiter zunehmen. Die Tierzahlen seien bereits im Sinkflug.

Wegen der angespannten Situation berät am Montag das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mit Verbänden und dem Handel. Laut Ministerium gibt es in Niedersachsen 5300 schweinehaltende Betriebe mit rund 8,3 Millionen Tieren.

Bei den digitalen Beratungen am Montagvormittag sind auch mehrere Handelspartner vertreten, nach eigenen Angaben etwa Rewe oder die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl oder Kaufland gehören. Angesichts der akuten Krise seien alle Marktakteure gefordert, teilte die Schwarz-Gruppe auf dpa-Anfrage mit. Die Politik müsse alles dafür tun, die Afrikanische Schweinepest einzudämmen und Exportmärkte wieder zugänglich zu machen, da deren Wegbrechen enorme Schwierigkeiten verursacht habe.

Staack und Ehlers betonten, dass sie in einer solchen Situation kein Verständnis dafür hätten, wenn Supermarktketten billiges Fleisch etwa aus Südamerika im Angebot haben. Notwendig sei mehr Transparenz für den Verbraucher über eine Herkunftsbezeichnung, auf für verarbeitete Ware wie in Wurstprodukten. Die Schere zwischen dem, was die Landwirte für ihre Produkte bekämen und den Preisen, die die Verbraucher zahlten, gehe immer weiter auseinander. „Wir brauchen da mehr Transparenz“, sagte Ehlers.

Schließlich müsse es auch die Politik endlich ermöglichen, dass für das Tierwohl notwendige Umbauten endlich erlaubt werden, sagte Ehlers. „Wir müssen in der Tierwohldiskussion die Umsetzung ermöglichen. Ich glaube, der Engpass liegt schon lange nicht mehr bei den Landwirten.“

Unter anderem erwarte er von einer neuen Bundesregierung Besonnenheit, sagte Staack. Gut gemeinte Interventionsprogramme hätten in der Vergangenheit nichts gebracht oder seien sogar kontraproduktiv gewesen. Auch beim Thema Klimaschutz erwarte er Augenmaß, weil die Anteile von Mobilität und Energieerzeugung am CO2-Ausstoß in Deutschland deutlich größer seien als die der Landwirtschaft.