Attacken gegen Ranger nehmen zu: Selbstverteidigungskurs

Beschimpft, beleidigt, Auto zerkratzt: Naturschutz-Ranger brauchen ein dickes Fell. Man darf das nicht persönlich nehmen, sagt der Vorsitzende des Bundesverbandes Naturwacht, der deutschen Ranger-Vereinigung. Sie organisiert jetzt Selbstverteidigungskurse.

Von dpa 26.07.2021, 11:38

Wieck - Der Ton in Deutschlands Naturschutzgebieten wird rauer. „Zunehmend werden wir Rangerinnen und Ranger als Hindernis gesehen, persönliche Freiheiten auszuleben“, sagt Carsten Wagner als Vorsitzender des Bundesverbandes Naturwacht, der Interessenvertretung der rund 700 deutschen Naturschutz-Ranger, am Montag. Wagner ist Ranger im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und berichtet von Beschimpfungen, dass ihm das Auto zerkratzt und er sogar verbal mit dem Tod bedroht worden sei.

Frank Grütz, Ranger in Saarland, schildert in einer Mitteilung des Verbandes einen Angriff auf einen Naturschutzbeauftragten im Mai, nachdem dieser drei Motocross-Fahrer auf einem schmalen Fußpfad durch ein Naturschutzgebiet angehalten habe. „Er wurde daraufhin zu Boden geworfen und zusammengeschlagen.“ Im Nationalpark Schwarzwald hätten fünf Mountainbiker auf einem illegal befahrenen Weg einen Ranger zu Boden gestoßen und versucht, dessen Dienstjacke zu stehlen.

Zum Weltranger-Tag am 31. Juli erinnern die Naturschutz-Wächter an Kollegen weltweit, die im Dienst ums Leben kamen. Im vergangenen Jahr verloren dem Verband zufolge weltweit 138 Rangerinnen und Ranger ihr Leben durch Wilderer, Unfälle oder Tiere.

Die Ranger haben auf die Einhaltung der Regeln in Schutzgebieten zu achten und Verstöße dagegen zu ahnden. Allein im kleinen Nationalpark Jasmund auf Rügen wurden Wagner zufolge im vergangenen Jahr acht neue illegale Abstiege durch die Kernzone zur Kreideküste und etwa 100 sonstige illegale Wege getrampelt. Nach 190 geahndeten Verstößen im Jahr 2019 seien 2020 dort 439 Verwarn- oder Bußgelder verhängt worden. Das führe zwangsläufig zu Konflikten. Er beobachte das schon seit mehreren Jahren. Die Corona-Krise habe mit einer Zunahme des Besucherdrucks auf die Schutzgebiete das noch einmal verstärkt.

Um die Ranger besser auf brenzlige Situationen vorzubereiten, organisiert die Bundesvereinigung Naturwacht Deeskalationskurse. Der erste soll im September im Harz stattfinden, sagt Wagner. „Er war zwei Tage nach der Ausschreibung ausgebucht.“ Auch ein zweiter Kurs im Oktober im Schwarzwald sei schon voll. Bestandteil sei dabei auch ein Selbstverteidigungskurs durch einen Karate-Lehrer.