Hochschulen

Ausländische Studenten brauchen trotz Corona-Impfung Tests

Tausende junge Menschen aus aller Welt studieren in Thüringen. Und viele von ihnen dürften mit Corona-Impfstoffen immunisiert sein, die in der EU nicht zugelassen sind. Für sie werden die nächsten Monate deshalb kompliziert. Aber es gibt einen kleinen Lichtblick.

Von dpa
Ein Abstrich wird in einem Labor auf das Coronavirus untersucht.
Ein Abstrich wird in einem Labor auf das Coronavirus untersucht. Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Erfurt - Wenn die Hochschulen in Thüringen im kommenden Wintersemester wieder vorrangig zur Präsenzlehre übergehen, wird das für viele ausländische Studierende und Wissenschaftler einen zusätzlichen Aufwand bedeuten - insbesondere für solche, die aus Nicht-EU-Ländern stammen. Denn nach Angaben des Thüringer Wissenschaftsministeriums gelten nur diejenigen unter ihnen als gegen Covid-19 geschützt, die mit einem in der EU zugelassenen Corona-Impfstoff geimpft worden sind.

Für Studierende und ausländische Wissenschaftler, die mit einem nicht in der EU zugelassenen Corona-Impfstoff immunisiert wurden, müsste hingegen ein negativer Corona-Test vorliegen. Sie könnten nur dann an Präsenzveranstaltungen in ihren Hochschulen teilnehmen, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen könnten, sagte ein Sprecher des Ministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Damit dürfte der Alltag an den Universitäten und Fachhochschulen im Land unter anderem für Studierende aus Russland, Asien und Südamerika trotz einer in ihren Heimatländern anerkannten Corona-Impfung deutlich aufwändiger werden.

Thüringens Wissenschaftsministerin Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte jüngst erklärt, die Hochschulen im Freistaat würden ihre Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2021/2022 wieder überwiegend als Präsenzveranstaltungen anbieten. Es bestehe Einigkeit zwischen allen Hochschulen und seinem Ministerium darüber, dass dies für die kommenden Monate das gemeinsame Ziel sei. „In Thüringen halten wir ein viertes digitales Semester für die Studierenden nicht für zumutbar“, hatte Tiefensee gesagt.

Je nach Entwicklung der Pandemie im Herbst werde diese Präsenzlehre - also zum Beispiel Seminare oder Übungen in Räumen der Hochschulen - allerdings auch weiterhin durch digitale Veranstaltungen flankiert. Insbesondere für Großveranstaltungen - zum Beispiel Vorlesungen mit mehreren hundert Teilnehmern - werde es auch weiterhin digitale Angebote geben müssen, sagte Tiefensee.

Zugang zu Präsenzveranstaltungen und auch -prüfungen sollen Studierende und Wissenschaftler den Plänen zufolge nach der 3G-Regel erhalten. Das heißt, sie müssen ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen oder sie müssen nachweisen, dass sie von Covid-19 genesen oder dagegen geimpft sind - allerdings eben mit einem in der EU zugelassenen Impfstoff. Ob jemand, der bereits mit einem nicht in der EU zugelassenen Impfstoff immunisiert ist, zusätzlich mit einem von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA anerkannten Vakzin geimpft werden kann, werde vom Robert-Koch-Institut derzeit geprüft, sagte der Sprecher des Ministeriums.

In der EU sind momentan vier Corona-Impfstoffe zugelassen: Die Vakzine der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna, Johnson&Johnson und Astra-Zeneca. Daneben gibt es aber noch andere Impfstoffe, die außerhalb der EU eingesetzt werden - wie etwa der russische Impfstoff Sputnik V oder der chinesische Impfstoff CoronaVac, der auch in einigen Ländern Südamerikas eingesetzt wird.

Wie viele ausländische Studenten in Thüringen mit einem nicht in der EU zugelassenen Corona-Impfstoff immunisiert worden sind, ist nach Angaben des Wissenschaftsministeriums nicht bekannt. Die Zahl der etwa 9400 Studenten an Thüringer Hochschulen aus dem Nicht-EU-Ausland vermittelt allerdings einen Eindruck davon, wie viele junge Menschen von diesem Problem betroffen sein könnten. Die Daten beziehen sich auf das Wintersemester 2020/21. Aktuellere Daten sind noch nicht verfügbar.

Um zumindest den ausländischen Studierenden, die noch gar keine Corona-Impfung erhalten haben, den Start in das neue Semester und dann dessen weiteren Verlauf möglichst einfach zu machen, plant das Wissenschaftsministerium spezielle Impfangebote. „Das Land wird gemeinsam mit den Hochschulen spezielle Impftermine an den Hochschulstandorten gerade auch für diese Personen Anfang Oktober und damit rechtzeitig vor dem Semesterstart anbieten“, sagte der Sprecher des Ministeriums. Man wolle so viele ausländischen Studierende und Wissenschaftler und wie möglich wieder an den Hochschulorten in Thüringen in Präsenz begrüßen.