BER-Standort: Vor 25 Jahren fiel die Entscheidung

Niemand hat das BER-Fiasko kommen sehen. Doch schon 1996 trafen Berlin, Brandenburg und der Bund eine höchst umstrittene Entscheidung. Die Folgen sind noch immer nicht ganz absehbar.

Von dpa
Matthias Wissmann, ehemaliger Bundesminister für Verkehr.
Matthias Wissmann, ehemaliger Bundesminister für Verkehr. Fabian Sommer/dpa/Archivbild

Schönefeld (dpa/bb) - 25 Jahre nach der Entscheidung für den Bau des neuen Großflughafens direkt am dicht besiedelten Berliner Stadtrand haben die Beteiligten ihren Beschluss verteidigt. „Die Partner konnten keinen gemeinsamen Nenner finden“, sagte der damalige Bundesverkehr Matthias Wissmann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. „Schönefeld war der plausibelste dritte Weg.“ Berlins damaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) sagte: „Unter den damaligen Gesichtspunkten war die Entscheidung richtig.“

Die Standortwahl löste jedoch immer wieder Kritik aus - sowohl von Anwohnern wegen des Lärms als auch aus der Wirtschaft wegen beschränkter Ausbaumöglichkeiten in Schönefeld (Dahme-Spreewald). Besser geeignet gewesen wäre nach dem Raumordnungsverfahren unter anderem der frühere Militärflugplatz Sperenberg (Teltow-Fläming) rund 30 Kilometer von der südlichen Berliner Stadtgrenze.

Dennoch fiel die Entscheidung für Schönefeld - am 28. Mai 1996 bei einem Treffen Wissmanns und Diepgens mit dem 2019 gestorbenen damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe.

„Jede Entscheidung für Sperenberg hätte zu Verzögerungen geführt“, sagte Diepgen. Denn in Schönefeld war schon ein Flughafen in Betrieb, der BER ist formell nur ein Ausbau. „Die Nähe zu Berlin war wegen der wirtschaftlichen Ausstrahlung wichtig“, ergänzte Diepgen. Brandenburg habe versucht, den Flughafen möglichst weit von Berlin zu planen.

Dass es anders kam, führte unter anderem zu jahrelangen Bürgerprotesten gegen die BER-Flugrouten. Als ein Verlierer der Entscheidung von 1996 sieht sich Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming), die am stärksten vom Fluglärm betroffene Ort. „Lauter als die Stones“, ist nur einer der Slogans der Gemeinde.

„Auch wenn man sich vielleicht an den Lärm gewöhnt oder sich diese Gewöhnung nur einredet, ist der ständige Fluglärm für alle Bürgerinnen und Bürger jeden Tag bis in die späte Nacht hinein eine schwere Last“, erklärte Bürgermeister Michael Schwuchow. Und der Volllastbetrieb steht noch aus. Eröffnet nach jahrelanger Verspätung im Herbst mitten in der Pandemie bewältigt der BER nur ein Bruchteil der möglichen Flüge.

Gleichwohl ziehen viele Menschen in die Gemeinde, und Gewerbeflächen sind gefragt. Das führt Schwuchow weniger auf den Flughafen zurück als auf die gute Infrastruktur im südlichen Berliner Umland. Blankenfelde-Mahlow tritt für ein schärferes Nachtflugverbot ein - und versucht, sich zu arrangieren. So soll ein ganzes Kita-Gelände mit einer Glashülle vor Fluglärm geschützt werden.

Dass die Wohnbebauung im Umland nicht besser gesteuert und begrenzt wurde, ist für Diepgen nur ein Fehler der BER-Geschichte. Der Hauptfehler sei es gewesen, den Bau nicht privat schlüsselfertig errichten zu lassen.

Wissmann sagte: „25 Jahre, das ist absurd.“ Das Planungsrecht müsse weniger Stufen haben, ohne die Bürger zu entrechten. „Glauben sie nicht, dass es in Sperenberg schneller gegangen wäre.“ Diepgen war nach eigenen Angaben bereit, für Sperenberg zu stimmen - aber nur, wenn Brandenburg die milliardenschwere Verkehrsanbindung finanziert hätte. „Stolpe kam zu mir uns sagte, er könne das bei sich nicht durchsetzen.“

Überstimmten die CDU-Männer Diepgen und Wissmann den Sozialdemokraten Stolpe? „Brandenburg wurde nicht überstimmt, wir haben einen Konsens gefunden“, betonte Wissmann. Er weist auch die Behauptung zurück, er habe im Sinne der Lufthansa und der Flughäfen Frankfurt und München einen weniger ausbaufähigen Standort durchgesetzt. „Da ist nichts dran.“ Diepgen meinte: „Die Lufthansa, unterstützt vom Bund, hat den Berliner Flughafenbau nie allzu sehr gefördert.“