BUND fordert nach Flut Umbau der Städte in MV

Überflutete Keller, überschwemmte Straßen: Hochwasser kann auch Städte und Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern treffen. Die Umweltorganisation BUND fordert mehr Versickerungsflächen in den Orten.

Von dpa 22.07.2021, 07:12
Baukräne ragen in den Himmel.
Baukräne ragen in den Himmel. Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Schwerin - Nach der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands sieht die Umweltorganisation BUND auch Hochwassergefahren für Städte und Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern und empfiehlt einen Umbau der Siedlungen nach dem sogenannten Schwamm-Prinzip. Angesichts zunehmend extremer Niederschläge sollten möglichst viele versiegelte Flächen in Grünflächen und Parks umgewandelt, großzügige Rückhalteräume für Niederschlagswasser angelegt und keine versiegelten Parkflächen mehr zugelassen werden, schlägt BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag vor. „Hofflächen in Altbaubeständen in Städten sollten umgebaut werden, Gründächer und unversiegelte Flächen mit Bäumen verpflichtend für Baugebiete sein.“

Es gebe zahlreiche Bebauungspläne im Land, die ohne ausreichende Auflagen in dieser Hinsicht genehmigt würden, kritisierte sie. Es gebe Fälle, in denen Regenrückhaltebecken in einem zweiten Bauabschnitt wieder zurückgebaut worden seien, um mehr Bauflächen zu erhalten.

In Fluss- und Bachauen sowie an Seeufern böten benachbarte Moorflächen den besten natürlichen Schwamm, so Cwielag weiter. „Moore sollten deshalb im großen Stil zu einer natürlichen Wasserhaltung zurückgeführt und renaturiert werden.“ Ein Sündenfall sei in der Beziehung der Ausbau der Bundesstraße 321 in Schwerin am Südufer des Schweriner Sees. „Der Bau der vierspurigen Straße trennt ein Randmoor des Schweriner Sees ab, welches große Wassermengen aus dem oberhalb eines Hanges gelegenen Siedlungsbereich aufgenommen hat“, erklärte Cwielag.

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) hält diese Kritik für überzogen. „Der Ausbau dieses Autobahnzubringers war von vielen Schwerinern und Menschen, die von auswärts regelmäßig in die Stadt fahren, gewünscht, um Stau und die damit verbundenen Belästigungen von Anwohnern und Umwelt auf der bestehenden Bundesstraße zu verringern“, erklärte er. Allen Beteiligten sei klar, dass solche Bauvorhaben einen Eingriff in die Natur bedeuteten, und das Ziel sei, diesen möglichst gering zu halten.

Nach Aussage von BUND-Geologe Julius Pätzold treten neben Trockenheiten auch Hochwasser in MV in jüngster Vergangenheit gehäuft auf. „Im Sommer 2019 hat beispielsweise ein Starkregenereignis in Schwerin den Pfaffenteich über die Ufer treten lassen und die Innenstadt überflutet. Zu den Jahresanfängen 2017, 2019 und 2020 führten Sturmhochwasser zu Verkehrsbeeinträchtigungen und Großeinsätzen der Feuerwehr in Rostock.“

Der Verbrauch freier Flächen für Siedlungen und Verkehr schreitet auch in Mecklenburg-Vorpommern voran, ist jedoch im bundesweiten Vergleich noch relativ gering. Laut Statistischem Landesamt waren 2019 rund 8,5 Prozent der Landesfläche dafür in Anspruch genommen. Zehn Jahre davor lag der Wert noch bei 7,9 Prozent. Rund 10.000 Hektar sind in diesem Zeitraum für Siedlungs- und Verkehrsflächen „verbraucht“ worden. Bundesweit betrug der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen an der Gesamtfläche Ende 2018 mehr als 14 Prozent.

Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) sieht den Flächenverbrauch kritisch. Der Schutz landwirtschaftlicher Flächen vor anderen Nutzungen bleibe für ihn ein wichtiges Ziel, hatte er Anfang des Jahres erklärt. Konkrete Schritte hatte er jedoch nicht angekündigt.