Corona bleibt für Schifffahrt auch ein Sicherheitsrisiko

Von Schiffskatastrophen liest man meist aus Asien. Dort gingen 2020 tatsächlich die meisten Schiffe verloren. Doch unfallträchtiger ist ein Meeresgebiet direkt an Europas Küsten.

Von dpa
Das auf Grund gelaufene Containerschiff „Ever Given“ blockiert den Suezkanal.
Das auf Grund gelaufene Containerschiff „Ever Given“ blockiert den Suezkanal. -/European Space Imaging/dpa/Archivbild

München - Die Corona-Pandemie erhöht nach Angaben von Versicherern auf absehbare Zeit die Sicherheitsrisiken für die weltweite Schifffahrt. Auch der Trend zu immer größeren Schiffen berge ein Risiko, wie die Blockade des Suezkanals durch den Container-Frachter „Ever Given“ gezeigt habe. Das teilte der Schiffsversicherer der Allianz (AGCS) in seinem Bericht zur Sicherheit der Schiffahrt 2020 mit.

49 große Schiffe über 100 Tonnen gingen den Angaben nach im vergangenen Jahr verloren (2019: 48). Die Zahl der Totalverluste sei aber in einem Jahrzehnt um etwa die Hälfte gesunken, hieß es. 2703 registrierte Schiffsunfälle 2020 bedeuteten einen leichten Rückgang um 4 Prozent im Vergleich zu 2019. Dabei waren die Schiffe wegen der Pandemie 2020 weniger unterwegs. „Coronabedingt haben wir viele Auflieger gehabt“, sagte der AGCS-Experte Anastasios Leonburg.

Die meisten Totalverluste von Schiffen (16) gab es 2020 in Asien in Südchina und Indochina. Die meisten Schiffsunfälle (579) wurden aber im Meeresgebiet Nordsee, Britische Inseln und Biscaya verzeichnet. Die vielbefahrenen Schifffahrtsrouten im Westen Europas liegen den Angaben auch im langfristigen Vergleich seit 2011 auf dem zweiten Platz der Unfallträchtigkeit - hinter dem östlichen Mittelmeer und vor Südchina und der Ostsee.

Corona habe nur begrenzt direkte Schäden in der Schifffahrt verursacht, heißt es in dem Bericht. Doch ein Risiko für die Schiffe seien verzögerte Wartungen. „Wir sehen einen Anstieg der Kosten für Kasko- und Maschinenschäden aufgrund von Verzögerungen bei der Herstellung und Lieferung von Ersatzteilen“, sagte Justus Heinrich, Leiter der AGCS für Zentral- und Osteuropa. Risikoträchtig und eine „humanitäre Krise“ sind auch die überlangen Dienstzeiten der Besatzungen. Die Crews seien oft monatelang nicht abgelöst worden, sagte Leonburg. „Man arbeitet nicht besser, man macht Fehler.“

Der Unfall der „Ever Given“ im Suezkanal im März zeige, dass Zwischenfälle mit immer größeren Schiffen aufwendige und damit teure Reaktionen erfordern, sagte Leonburg. Der quergestellte Frachter mit einer Kapazität von 20.000 Containern hatte das Nadelöhr der Weltschifffahrt über Tage blockiert. Der Frachtverkehr zwischen Europa und Asien wurde durcheinander gebracht. Mit dem Wachstum der Schiffe häufen sich nach Allianz-Angaben auch die Containerverluste auf See. 2020 seien 3000 Transportkisten verloren gegangen.

Das Risiko von Piratenangriffen habe sich in den vergangenen Jahren von Ostafrika vor die westafrikanische Küste in den Golf von Guinea verlagert. 2020 wurden bei 22 registrierten Überfällen 130 Besatzungsmitglieder verschleppt.