Corona und seelisches Leid: Menschen fehlen 43 Tage im Job

In der Corona-Pandemie machen sich viele Menschen Sorgen, nicht nur aus Angst, selber krank zu werden. Auch im Beruf wachsen Stress und Existenzangst. Die Folge: Depressionen nehmen zu. Wie wirkt sich das im Job aus?

Von dpa

Hannover - Die psychische Belastung vieler berufstätiger Menschen in Niedersachsen in der Corona-Pandemie ist im ersten Halbjahr 2021 hoch geblieben. Im Durchschnitt seien die Arbeitnehmer zwischen Nordsee und Harz in den ersten sechs Monaten 43 Tage wegen Depressionen, Angststörungen oder Burnout krankgeschrieben gewesen, teilte die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) unter Berufung auf Versichertendaten am Montag mit. Das seien 0,1 Tage mehr als im Corona-Jahr 2020 und 4,7 Tage mehr als 2019 - also vor der Pandemie.

Bundesweit fehlten Arbeitnehmer im laufenden Jahr im Schnitt 42,5 Tage wegen psychischer Diagnosen. Die längsten Fehlzeiten stellte die Krankenkasse mit 54 Tagen im Saarland fest, die kürzesten in Sachsen (35 Tage). Besonders oft wurden in Niedersachsen depressive Episoden mit rund 16.000 attestierten Fehltagen diagnostiziert, depressive Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen summierten sich auf rund 13.000 Fehltage.

Die Kaufmännische Krankenkasse ist eigenen Angaben zufolge eine der größten bundesweiten gesetzlichen Krankenkassen mit mehr als 1,6 Millionen Versicherten. Sie wertete die Zahl der Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflichtversicherten und freiwillig versicherten Mitgliedern aus.

„Seit dem Ende des Lockdowns und der Möglichkeit zur Impfung gegen Covid-19 hat die psychische Belastung zwar etwas abgenommen“, sagte KKH-Wirtschaftspsychologin Antje Judick. „Wie unsere Daten zeigen, fühlen sich viele Berufstätige aber immer noch gestresster als vor der Pandemie.“ Gründe seien die wirtschaftliche Krise, Existenzangst, Unsicherheit und das Gefühl des Kontrollverlusts, viele Berufstätige könnten aber auch Arbeit und Privatleben im Homeoffice schlechter voneinander trennen. Überstunden und Stress seien die Folgen.

Seelische Leiden liegen den Angaben zufolge unter allen Diagnosen auf dem zweiten Platz hinter Rückenbeschwerden. Im ersten Halbjahr 2021 seien bundesweit bisher rund 19 Prozent der krankheitsbedingten Fehlzeiten psychisch bedingt - 2020 lag die Quote bei knapp 18 Prozent, in den Jahren vor der Pandemie zwischen 16 und 17 Prozent.