Eher schwache Spargelsaison geht zu Ende

Spargel ist das erste Gemüse, das im Frühjahr frisch geerntet aus der heimischen Region auf den Markt kommt. Die Erfahrung zeigt, dass die Kunden vor allem bei sonnigem Wetter Lust auf das Edelgemüse haben.

Von dpa
Kisten mit frisch gestochenem Spargel stehen in einem Transporter.
Kisten mit frisch gestochenem Spargel stehen in einem Transporter. Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild

Hannover - Für die Spargelbauern geht an diesem Donnerstag eine eher durchwachsene Saison zu Ende. Das lange Zeit kalte und bedeckte Wetter habe nicht nur die Ernte verzögert, sondern auch bei den Verbrauchern keine große Lust aufs Spargelessen geweckt, sagte Michael Koch von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft AMI in Bonn. Die Nachfrage sei ein bisschen schwächer gewesen als im vergangenen Jahr. Der Durchschnittsverbraucherpreis für das Edelgemüse kletterte seinen Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent auf 8,78 Euro für das Kilo weißen Spargel. „Das ist durchaus moderat“, sagte Koch.

Fest stehe bereits, dass die Erntemenge im Vergleich zum Vorjahr wieder gesunken sei, sagte der Geschäftsführer der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen, Fred Eickhorst. „In diesem Jahr werden wir aufgrund des kalten Wetters die Erntemengen vom letzten Jahr nicht erreichen“, sagte Eickhorst. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit rund 106.000 Tonnen Spargel geerntet. Von den gestiegenen Preisen sei wenig bei den Erzeugern angekommen. „Das waren Mitnahmeeffekte beim Lebensmitteleinzelhandel“, sagte Eickhorst.

Auch in diesem Jahr musste die Ernte mit Saisonkräften aus Osteuropa unter strengen Hygieneauflagen erfolgen. Das habe gut geklappt, sagte Eickhorst. Ein größerer Corona-Ausbruch auf einem Spargelbetrieb im Landkreis Diepholz sei eine Ausnahme gewesen. Auch dank der Quarantäne-Auflagen des Landkreises sei die Situation aber schnell unter Kontrolle gewesen, sagte Eickhorst.

Piotr Mazurek von der DGB-Beratungsstelle Faire Mobilität in Oldenburg sagte, dass viele Saisonkräfte die vom Landkreis Diepholz verhängten Corona-Auflagen für den Betrieb nicht verstanden hätten. Dass nicht nur Infizierte, sondern auch Kontaktpersonen in Quarantäne mussten, sei nicht auf Verständnis gestoßen. Offenbar habe es Probleme in der Kommunikation mit den Betroffenen gegeben.

Nach wie vor gebe es in der Branche auch von den Saisonkräften Klagen über Unregelmäßigkeiten bei der Lohnauszahlung oder bei den Arbeitszeiten. „Den Leuten wird versprochen, sie könnten bis zu 120 Euro am Tag verdienen oder zumindest 70 bis 80 Euro, und bekommen dann 40 oder 45 Euro für einen Tag Arbeit“, sagte er. Auch Arbeitszeiten von zehn oder zwölf Stunden seien nicht selten.

„Es sind sicherlich nicht alle Betriebe, von denen solche Beschwerden kommen, es gibt auch Bauern, die sich an die Regeln halten“, sagte Mazurek. Allerdings kämen Beschwerden regelmäßig seit vielen Jahren. „Das sind mehr als nur Einzelfälle.“

Sinnvoll wäre eine staatliche Arbeitsinspektion nach dem Vorbild Österreichs, an die sich die Beschäftigten mit ihren Beschwerden direkt wenden könnten und die auch die Autorität habe, Lohnnachzahlungen beim Arbeitgeber durchzusetzen. Die Kontrollen des Zolls in Deutschland bezögen sich nur auf nicht entrichtete Steuern und Sozialabgaben. „Lohnansprüche hingegen können die Saisonkräfte nur individualrechtlich durchsetzen“, sagte Mazurek. Das machten aber die Wenigsten in einem fremden Land mit fremder Sprache und fremdem Rechtssystem.

Der Bundestagsabgeordnete der Linken, Victor Perli, forderte: „Der gesetzliche Mindestlohn kann nur mit regelmäßigen Kontrollen durchgesetzt werden. Dafür braucht es mehr Kontrolleure.“ Die Schwarzarbeitskontrollen des Zoll kratzten nur an der Oberfläche.

Eickhorst wies die Vorwürfe zurück. Auf den Bruttomindestlohn von 9,50 Euro würden noch Abzüge etwa für die Unterkunft, Verpflegung oder die Reise kommen.