EKM: Kirchen sollen zunehmend mehrfach genutzt werden

In Thüringen soll eine sanierungsbedürftige Kirche verkauft werden. Dass Gotteshäuser entwidmet werden, kommt sehr selten vor. Eine gemeinschaftliche Nutzung könnte beim Erhalt helfen.

Von dpa

Greiz/Erfurt - Seit 1990 sind elf Kirchen auf dem Gebiet der Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) entwidmet und verkauft worden. „Ob sich die Landeskirche von weiteren Kirchen trennen muss, bleibt abzuwarten“, sagte die Leiterin des Baureferats im Landeskirchenamt der EKM, Elke Bergt. Der Verkauf einer Kirche sei aber immer der letzte Schritt. Kirchen sollten zudem zunehmend mehrfach genutzt werden, etwa gemeinsam mit Vereinen und Kommunen.

Allein sechs der elf Entwidmungen fanden von 2011 bis 2014 in Sachsen-Anhalt statt. Unter anderem wurde eine Kirche an eine Kulturstiftung verkauft, um dort eine Konzerthalle entstehen zu lassen. In Thüringen soll nun die sanierungsbedürftige Kirche in Aubachtal (Greiz) nach einem Abschiedsgottesdienst am Sonntag veräußert werden - auch hier ist eine kulturelle Nutzung gewünscht.

Die Sanierung ihrer Kirchen überfordere viele schrumpfende Gemeinden, hieß es vonseiten der EKM. Schon lange würden manche Gebäude nicht mehr regelmäßig für kirchliche Veranstaltungen genutzt. „Für einige Kirchen, deren Erhalt gefährdet war, konnten bereits kreative Nutzungserweiterungen gefunden wurden.“ Als Beispiele gelten die Kulturkirche Weißensee, die Bienen-Garten-Kirche in Roldisleben (beide Sömmerda) und die Her(r)bergskirche in Neustadt am Rennsteig (Ilm-Kreis).

Auf dem Territorium der EKM stehen 3890 evangelische Kirchen, 1887 davon in Thüringen. 99 Prozent von ihnen sind denkmalgeschützt, für die Hälfte besteht erheblicher Sanierungsbedarf an Dächern, Fassaden und Türmen. Bei rund fünf Prozent ist den Angaben ein Hausschwamm-Befall und somit dringender Handlungsbedarf gemeldet.

Verkäufe, Abrisse und Umnutzungen zusammengezählt wurden in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg laut EKM rund 20 Gebäude seit 1990 entwidmet. „Im Verhältnis zur Gesamtzahl von über 3000 Kirchen kann das als positive Entwicklung gesehen werden.“