EKM übernimmt Verantwortung für Handeln in SED-Diktatur

Von dpa

Magdeburg/Erfurt - Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) will Verantwortung gegenüber Menschen übernehmen, die während der SED-Diktatur in kirchlichen Kreisen zu Opfern wurden. Der Landeskirchenrat habe ein Anerkennungsverfahren für Personen auf den Weg gebracht, die aus politischen Gründen drangsaliert und in ihren Kirchen disziplinarisch belangt wurden, teilte die EKM am Mittwoch in Magdeburg mit. Es gehe auch um Menschen, die durch Verrat aus kirchlichen Kreisen inhaftiert, gedemütigt, traumatisiert oder zur Ausreise gedrängt worden seien.

Sie könnten Anträge stellen auf die Anerkennung des erlittenen Unrechts. Möglich sei eine einmalige Anerkennungsleistung beziehungsweise eine öffentliche Anerkennung und Würdigung, hieß es. Es sei ein Budget in Höhe von 500.000 Euro in den Haushalt eingestellt worden. Als Ombudsperson zur Unterstützung von Antragstellern wurde Hildigund Neubert beauftragt. Die Anträge können den Angaben zufolge bis zum 30. April 2023 gestellt werden.

„Die Kirchen haben während der SED-Diktatur einer staatlichen Vereinnahmung widerstanden. Aber kirchenleitendes Handeln war nicht immer unabhängig von staatlichen Einflüssen und politischen Rücksichtnahmen. Es gab Entscheidungen, die durch staatliche Stellen, unter anderem durch die Staatssicherheit, beeinflusst waren“, erklärte Oberkirchenrat Christian Fuhrmann. Es seien Personen betroffen gewesen, die haupt- oder ehrenamtlich für die Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen sowie in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen tätig gewesen seien.