Folgen der Materialverteuerung: Kurzarbeit und Stillstand

Nach monatelangen Corona-Beschränkungen und mit Beginn der warmen Jahreszeit müsste die Stimmung in den Handwerksbetrieben eigentlich steigen. Doch die Laune der Unternehmer ist gedrückt.

Von dpa 06.06.2021, 09:24
Gefällte Baumstämme liegen gestapelt am Waldrand.
Gefällte Baumstämme liegen gestapelt am Waldrand. Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Rostock - Angesichts der Verteuerung von Materialien und Rohstoffen sowie den Folgen für die Betriebe hat die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern Erleichterungen gefordert. „Baubetrieben droht, Kurzarbeit anmelden zu müssen, obwohl die Auftragsbücher gefüllt sind“, sagte Hauptgeschäftsführer Jens-Uwe Hopf der Deutschen Presse-Agentur. „Damit ist nicht nur ein Stillstand auf Baustellen zu befürchten. Es sind leider auch Rückschläge für die Energiewende im Bau beispielsweise bei der Wärmedämmung zu erwarten.“ Auch die Kapitaldecke vieler Bauherren und Betriebe werde immer dünner.

Das Handwerk fordere deshalb die erleichterte Beantragung von Kurzarbeitergeld bis Ende des Jahres und die Verlängerung der Regelung zur Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen. „Außerdem sollten Preisgleitklauseln bei öffentlichen Aufträgen berücksichtigt werden“, sagte Hopf. So könnten die Kosten variabel an Kunden weitergegeben werden. Auch von Vertragsstrafen sollte abgesehen werden, wenn die Aufträge wegen dieser Marktentwicklung bei den Materialien nicht fristgemäß erfüllt werden könnten.

Hopf verwies auf steigende Preise von Holz, Stahl oder Dämmstoffen, die vor allem die Baubranche treffen. „Hier ist eine dynamische Entwicklung zu spüren, die teilweise erhebliche Lieferengpässe, lange Wartezeiten und höhere Preise für Kunden und Auftraggeber mit sich bringt.“

Als Beispiele nannte er den Holzbereich mit Preissteigerungen bis zu 35 Prozent, bei Betonstahl um 30 Prozent und bei Kunststoffen bis zu einem Viertel. „Beim Baumaterial wie Trockenbauprofilen und Spanplatten sind die Preise durch die Decke gegangen.“ Für Malerbetriebe seien erhöhte Kosten um bis zu 60 Prozent für Schlüsselkomponenten wie Dämmmaterial oder Epoxidharze deutlich spürbar. Hinzu kämen zunehmende Kosten wegen der CO2-Steuer.

Hintergrund der steigenden Rohstoff- und Materialpreise sind unter anderem die anziehende Konjunktur in den USA und China, die für eine höhere Nachfrage sorgt, sowie weltweite Lieferketten, die wegen der Pandemie durcheinandergeraten sind.