Gedenkstätten

Gedenken an sowjetisches Internierungslager in Buchenwald

Von dpa 18.09.2021, 14:00 • Aktualisiert: 20.09.2021, 23:09

Weimar - In der KZ Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar haben rund 70 Menschen an das sowjetische Internierungslager erinnert, das dort nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden war. Ein wichtiger Punkt der Veranstaltung sei gewesen, durch konkretes Erinnern haltlosen Diktatur-Vergleichen von sogenannten Querdenkern zu begegnen, sagte ein Sprecher der Gedenkstätte. In dem sogenannten Speziallager starben zwischen 1945 und 1950 über 7000 Menschen an Hunger und Krankheiten. Rund 28.000 waren interniert, darunter hauptsächlich lokale NSDAP-Kader, aber auch Jugendliche und Denunzierte.

Zu dem Gedenken und dem ökumenischen Gottesdienst kamen am Samstag auch sechs ehemalige Häftlinge des Lagers. Sie seien als Jugendliche dorthin gekommen, weil sie verdächtigt wurden an einer NS-Organisation beteiligt gewesen zu sein - was nach Angaben des Sprechers nicht stimmte.

Die Beteiligten feierten auch das 30. Buchenwaldtreffen der Initiativgruppe Buchenwald 1945-50. In Zeiten der DDR sei die Erinnerung an die sowjetischen Internierungslager und auch die Forschung dazu ein Tabu gewesen, sagte der Sprecher. Nach der Wende schlossen sich dann ehemalige Speziallager-Insassen und deren Angehörige zu einer Initiativgruppe zusammen. In den kommenden Tagen sind noch weitere Veranstaltungen angedacht.

Im Nationalsozialismus war Buchenwald eines der größten Konzentrationslager. Fast 280.000 Menschen aus ganz Europa wurden vom Sommer 1937 bis zum Frühjahr 1945 hierher verschleppt. Über 56.000 Menschen wurden ermordet oder starben durch Zwangsarbeit, medizinische Experimente, Hunger und Krankheiten.

Nach der Befreiung durch die Alliierten nutzten die sowjetischen Besatzungsbehörden das Gelände für das Speziallager. Im Februar 1950, vier Monate nach Gründung der DDR, wurde das Lager aufgelöst. Es bestand damit laut Gedenkstätte länger als die Internierungslager für Nazi-Kader der westlichen Alliierten.