Grüne halten Rennen zur Bundestagswahl für völlig offen

Von dpa

Potsdam - Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock sieht für ihre Partei angesichts der Umfragewerte für die Bundestagswahl alle Chancen offen. „In den letzten 16 Jahren war eigentlich immer relativ klar, wer am Ende in das Bundeskanzlerinnenamt einzieht. Aber dieses Mal ist es richtig, richtig eng. Damit ist alles offen“, sagte Baerbock am Samstag bei einem Wahlkampfcamp der Brandenburger Grünen in Potsdam. „Wir hatten eine Zeitlang gedacht, dass das ein Zweikampf wird, dann war es bei uns ziemlich holprig, da haben wir uns auch etwas geärgert, ich mich auch. (...) Jetzt ist es zwar ein Dreikampf, aber so dicht, wie jetzt alle drei demokratischen Parteien beieinander liegen, glaube ich, wird niemand auf irgendwas wetten.“

Die Grünen liegen in der Sonntagsfrage mehrerer Umfragen derzeit bei 17 bis 19 Prozent. Im April schlossen die Grünen zur CDU/CSU auf und überholten sie in einzelnen Umfragen sogar. Nach ungenauen Angaben in Baerbocks Lebenslauf, verspätet gemeldeten Sonderzahlungen und Textähnlichkeiten zwischen Baerbocks Buch und anderen Texten sanken die Werte. Inzwischen liegen Union, Grüne und SPD enger beieinander, nachdem die Werte der Union gesunken und die der SPD gestiegen sind.

Die Grünen-Chefin rief ihrer Partei beim Wahlkampfcamp für die kommenden Wochen zu: „Jetzt gilt es umso mehr, richtig zu kämpfen.“ Baerbock sagte: „Wenn man einen Gegentreffer kassiert, dann weiß man, das Spiel hat in der zweiten Halbzeit immer noch 45 Minuten, dann kann man auch noch am Ende mit 2:1 vom Platz gehen.“ Die nächste Bundesregierung müsse eine „Klimaregierung“ sein. „Deswegen muss das Bundeskanzlerinnenamt eine Richtlinienkompetenz haben, die sagt: All das, was nicht uns auf den 1,5-Grad-Pfad bringt, das können wir nicht machen.“ Damit meinte sie das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner, der sich wie Baerbock in Brandenburg um ein Direktmandat bewirbt, verteilte Spitzen gegen die Kanzlerkandidaten von Union und SPD: „Armin Laschet und Olaf Scholz, die sind eineiige Zwillinge, wenn es darum geht, den Kampf gegen die Klimakrise ernst zu nehmen.“ Die SPD setzt im Wahlkampf ebenfalls verstärkt auf den Klimaschutz.