Grünen-Fraktionschefin Gebel gegen Strafe für Impfschwänzer

Von dpa 03.07.2021, 10:43
Silke Gebel (Bündnis 90/Grüne) spricht.
Silke Gebel (Bündnis 90/Grüne) spricht. Wolfgang Kumm/dpa/Archivbild

Berlin - Berlins Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel hält Strafzahlungen für Impfterminschwänzer für nicht ausgeschlossen, momentan aber nicht für zielführend. „Darüber kann man sicherlich nachdenken“, sagte die Politikerin am Samstag dem RBB-Inforadio. Aber bevor man zu solchen Mitteln greife, müssten andere Maßnahmen getroffen werden.

Zum Beispiel hätten Alleinerziehende bisher nicht die Möglichkeit, ihre Kinder zu einem Termin mit ins Impfzentrum zu nehmen. „Ich glaube, dass wir noch viele Erleichterungen treffen können, damit Menschen, die sich impfen lassen wollen, sich auch impfen lassen können.“ Die Frage sei auch, ob man Menschen, die bisher skeptisch sind, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, mit einer angedrohten Strafe nicht endgültig vergraule, so Gebel.

Momentan kann man in Berlin aber aus ihrer Sicht noch nicht von einer Impfmüdigkeit sprechen. „Wir stehen im bundesweiten Vergleich ganz gut da“, sagte Gebel. „Aber wir müssen gerade Menschen erreichen, die Vorurteile gegenüber einer Impfung haben.“

Der Präsident des Berliner Roten Kreuzes (DRK), Mario Czaja, wirbt dafür, Impfterminschwänzer zur Kasse zu bitten. Wer etwa seinen Termin für die Zweitimpfung in einem der Impfzentren ohne Absage verstreichen lässt, könne mit einer Strafzahlung von 25 bis 30 Euro belegt werden, schlug er am Freitag im RBB vor.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind in Berlin 55,2 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, darunter 35,9 Prozent vollständig (Stand 2. Juli 14.50 Uhr). Laut Czaja nehmen fünf bis zehn Prozent der Angemeldeten Impftermine ohne Absage nicht wahr.