Hamburg will mindestens 200 Afghanen aufnehmen

Seit der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan haben dort viele Bürger Todesangst und wollen fliehen. Hamburg ist bereit, mindestens 200 von ihnen in der Hansestadt aufzunehmen.

Von dpa
Hunderte von Menschen versammeln sich an einer Absperrung des internationalen Flughafens.
Hunderte von Menschen versammeln sich an einer Absperrung des internationalen Flughafens. -/AP/dpa

Hamburg/Kabul - Nach der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan will Hamburg mindestens 200 Menschen aus dem Land aufnehmen. Die Hansestadt habe angeboten, „unmittelbar & unbürokratisch 200 Gerettete aufzunehmen“, twitterte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am späten Montagabend. Senatssprecher Marcel Schweitzer sagte am Dienstag im Anschluss an die Senatssitzung: „Wenn es ein paar mehr sind, dann geht auch das noch.“ In den vergangenen Wochen seien bereits 48 Personen aufgenommen worden.

Eine Obergrenze sei nicht diskutiert worden. „Es geht schon darum, dass alle Bundesländer sich hier solidarisch zeigen.“ Entsprechend habe Hamburg seine Bereitschaft zur Aufnahme von mindestens 200 Personen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gemeldet. „Es handelt sich nicht nur um Ortskräfte, sondern es handelt sich um Menschen, die aus Afghanistan gerettet wurden“, sagte Schweitzer.

„Die Entwicklung in Afghanistan ist dramatisch“, twitterte Tschentscher. Innensenator Andy Grote (SPD) sagte dem NDR, man sei in konkreten Gesprächen mit dem Bund und wolle in Hamburg Erstaufnahmekapazitäten zur Verfügung stellen. „Die Bundeswehr ist unterwegs, um bis zu 250 Gerettete aus Afghanistan mit 13 Bussen vom Frankfurter Flughafen in die Erstaufnahme nach Hamburg zu bringen“, twitterte Tschentscher am Dienstagabend. In der Nacht zu Mittwoch wird in Frankfurt eine Maschine mit Evakuierten aus Kabul erwartet.

Für diesen Sonntag hat die Flüchtlingsorganisation Seebrücke zu einer Kundgebung in der Hamburger Innenstadt aufgerufen. Die Veranstaltung um 17.00 Uhr stehe unter dem Motto „Solidarität mit der afghanischen Bevölkerung - Für Bleiberecht und sichere Fluchtwege“. Aus Sicht der Seebrücke müssen Abschiebungen nach Afghanistan dauerhaft gestoppt und allen in Deutschland lebenden Afghanen ein sicheres und dauerhaftes Bleiberecht gewährt werden. Außerdem soll Deutschland Afghanen aus griechischen und türkischen Lagern einreisen lassen und allen Menschen in Afghanistan sichere Fluchtwege eröffnen.

Am Wochenende hatten die militant-islamistischen Taliban weitere Großstädte erobert und waren am Sonntagabend nach und nach auch in die Millionenmetropole Kabul eingerückt, wo sie unter anderem den Präsidentenpalast besetzten. Viele Menschen versuchen inzwischen das Land zu verlassen, am Flughafen herrschte zuletzt Chaos.