Häusliche Gewalt: Aufruf zur Nutzung von Hilfsangeboten

Homeschooling, finanzielle Nöte: Die Corona-Pandemie stellt besonders Familien auf eine harte Probe. Schutz vor gewalttätigen Partnern bieten die mehr als 40 Frauenhäuser in Niedersachsen.

Von dpa
Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem zerbrochenen Teller.
Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem zerbrochenen Teller. Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Hannover - Nach rund anderthalb Jahren Pandemie ist der Druck auf Familien teils enorm, Spannungen entladen sich häufig in Gewalt. Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens hat deshalb betroffene Frauen aufgerufen, die bestehenden Hilfsangebote zu nutzen. „Der Anstieg von häuslicher Gewalt während der Pandemie ist erschreckend“, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

Umso wichtiger sei es, dass die Betroffenen das flächendeckende Netz an Hilfsangeboten und das gesamte niedersächsische Gewaltschutzsystem für Frauen nutzten. Frauen sind in Beziehungen häufiger von Gewalt betroffen als Männer.

Die 43 vom Land geförderten Frauenhäuser sind laut Ministerium auf gleichbleibend hohem Niveau belegt. Es seien aber auch während der Pandemie zwischen 10 und 15 Prozent der Plätze frei, so dass noch Hilfesuchende aufgenommen werden könnten. Die regionale Auslastung sei unterschiedlich, tendenziell sei der Bedarf an Frauenhausplätzen in Ballungsräumen besonders groß. Zuletzt waren den Angaben zufolge 53 von 398 Plätzen in 26 Frauenhäusern frei (Stand 14. Juli).

Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen 21 509 Fälle von häuslicher Gewalt registriert, das war eine Zunahme von 1343 Fällen im Vergleich zu 2019, wie aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervorgeht. 29 Menschen kamen im Jahr 2020 durch häusliche Gewalt ums Leben, darunter 24 Frauen.

Das Landeskriminalamt in Hannover will in einer Dunkelfeldstudie herausfinden, wie viele Taten in Familien gar nicht erst den Behörden bekannt werden. Zum Start dieser Studie im März sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD): „Wir wissen, dass nur sehr wenige Taten von den Betroffenen angezeigt werden. Gerade im Lockdown müssen wir aber wissen, ob es hier Zunahmen gibt und wie wir weiter gegensteuern und den Personen helfen können, die unter gewalttätigen Partnern leiden müssen.“