Impfwillige ab 70 zum Großteil mindestens einmal geimpft

Der Wegfall der Priorisierung könnte einen neuen Ansturm auf Hausärzte und Impfzentren führen. Die meisten älteren Thüringer müssen sich nicht mehr um einen Termin bemühen: Viele Impfwillige ab 70 Jahren haben schon eine Spritze mit Corona-Impfstoff erhalten.

Von dpa 05.06.2021, 09:04

Erfurt - Fast alle älteren Thüringer, die sich eine Corona-Impfung geben lassen wollten, haben nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums inzwischen mindestens ihre Erstimpfung erhalten. „Laut den uns vorliegenden Informationen ist der Großteil der impfwilligen Über-70-Jährigen geimpft“, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Das gleiche treffe auf Menschen in der Altersgruppe der Über-80-Jährigen zu. Nur in Einzelfällen dürften Menschen, die 70 Jahre oder älter seien, in Thüringen noch auf Impftermine bei ihren Hausärzten warten.

Menschen im Alter von über 80 Jahren gehörten zur ersten Gruppe, die in Deutschland gegen Covid-19 immunisiert werden konnte. Teilweise waren dafür mobile Impfteams in Alten- und Pflegeheimen unterwegs. Männer und Frauen, die älter als 70 Jahre, aber noch nicht 80 Jahre alt waren, zählten zur Priorisierungsgruppe zwei. Aktuell werden bereits Menschen mit der Priorität drei geimpft. Am 7. Juni fällt dann die Impfpriorisierung komplett weg.

Das Ministerium stützt sich nach Angaben des Sprechers für seine Einschätzung auf eine Hochrechnung, weil es keine genaue Übersicht dazu gibt, wie viele Über-70- beziehungsweise Über-80-Jährigen in Thüringen gegen Covid-19 geimpft worden sind. „Wir haben nur die detaillierten Zahlen aus den Impfstellen und -zentren, die von der KVT betrieben werden, und von den mobilen Teams“, sagte der Sprecher.

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) organisiert die Immunisierungen in den Impfstellen und -zentren in Thüringen. Die niedergelassenen Ärzte müssten bei Corona-Impfungen nur erheben, ob die geimpfte Person unter 60 oder über 60 Jahre alt sei.

Lege man die vorhandenen Daten aber mit der durch Umfragen ermittelten Impfbereitschaft übereinander, komme man zu dem Ergebnis, dass „nahezu alle Über-70- und Über-80-Jährigen, die sich impfen lassen möchten, inzwischen auch die Impfung erhalten haben“.

Nach den Zahlen aus dem Thüringer Online-Sozialstrukturatlas lebten Ende 2019 etwa 170.000 Menschen im Alter von über 80 Jahren und etwa 200.000 weitere über 70 im Freistaat. Von den Über-80-Jährigen dürften nach der Hochrechnung etwa 162.000 mindestens einmal und etwa 115.000 schon zweimal gegen Covid-19 geimpft worden sein. Bei den Über-70-Jährigen sind danach etwa 154.000 Erst- und etwa 74.000 Zweitimpfungen verabreicht worden. Als vollständig geimpft gelten Menschen in der Regel zwei Wochen, nachdem sie die letzte für den vollständigen Schutz nötige Impfdosis erhalten haben.