Initiativen mahnen Reform der Abschiebepraxis in Sachsen an

Von dpa

Dresden - Der sächsische Flüchtlingsrat und weitere Verbände haben nachdrücklich eine Reform der Abschiebung abgelehnter Asylbewerber aus dem Freistaat angemahnt. Es dürften keine Abschiebungen mehr nachts erfolgen, lautet eine der am Donnerstag veröffentlichten Forderungen. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Deutschland müsse es eine sichere Bleibeperspektive für Betroffene geben. Die Behörden hätten eine Pflicht zur Beratung und Unterstützung. Vor allem Familien mit Kindern brauchten Möglichkeiten für ein Bleiberecht. Um den Schutz des Kindeswohls zu gewährleisten, müssten die Jugendämter bei Abschiebungen involviert werden, hieß es.

Der Flüchtlingsrat brachte mehrere Beispiele, bei denen Familien aus Georgien trotz guter Integration Sachsen verlassen mussten. „Gerade die unangekündigten Abschiebungen in der Nacht gleichen psychischer Folter. Betroffene leben oft jahrelang in der Ungewissheit, wann der Zugriff erfolgt“, hieß es.

„Wir leben in ständiger Angst. Das ist zermürbend“, wurde eine alleinerziehende Mutter zitiert. Eine Familie aus Meißen habe nur 20 Minuten Zeit zum Packen ihrer Habseligkeiten gehabt. „Handys und Tablets wurden ihnen weggenommen, bis heute erhielten sie diese nicht zurück. Die Mutter stand am 26. Mai ohne Ehemann mit fünf Kindern spät abends allein in Tiflis am Flughafen und wusste nicht weiter“, hieß es.