Demonstrationen

Klima-Aktivisten legen Greifswalder Kraftwerk lahm

In der Greifswalder Altstadt war Warmwasser vielerorts am Freitag Mangelware. Auch Handy-Verbindungen schwächelten deutlich. Der Grund: Ein Kraftwerk war kurzzeitig lahmgelegt worden.

Von dpa
Ein Plakat mit der Aufschrift "Gas is Over" hängt am Kraftwerk-Schornstein.
Ein Plakat mit der Aufschrift "Gas is Over" hängt am Kraftwerk-Schornstein. Stefan Sauer/dpa

Greifswald - Eine kleine Gruppe von Umweltaktivisten hat am Freitag mit einer gewagten Kletteraktion für mehrere Stunden die Abschaltung eines Blockheizkraftwerkes in Greifswald erzwungen. Einige der Aktivisten waren auf ein Vordach und auf einen rund 30 Meter hohen Schornstein geklettert. Eine lebensgefährliche Aktion, kritisierten die Stadtwerke Greifswald, die das Kraftwerk und eine Mobilfunkantenne am Schornstein aus Sicherheitsgründen abschalteten. Etwa ein Viertel der Altstadt war von dem Warmwasser-Ausfall betroffen.

Die Aktivisten beendeten erst nach mehreren Stunden und Vermittlungsgesprächen ihre Aktion. Nach Polizeiangaben gehörten der Gruppe sechs Personen an, von denen drei zu Feststellung der Personalien auf die Wache mitgenommen wurden. Der Protest richtete sich gegen die Verwendung fossiler Brennstoffe. Auf einem großen blauen Transparent stand „Gas is over“ (in etwa: Die Zeit des Gases ist vorbei).

Die Polizei leitete mehrere Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruch und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ein. Zudem würden durch die Polizei und die Feuerwehr geprüft, ob einzelnen Personen die Kosten des Einsatzes auferlegt werden könnten.

450 Haushalte und 25 Unternehmen wurden zeitweise von der Warmwasserversorgung abgeschnitten. Um 11.45 Uhr gaben die Stadtwerke auf ihrer Internetseite Entwarnung: „Die Aktion wurde beendet und die Versorgungssicherheit wieder hergestellt.“ Das Kraftwerk, das unter anderem die Innenstadt mit Strom und Nahwärme versorgt, wurde wieder hochgefahren. In der Anlage werden zur Elektroenergieerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung Erdgas oder Bioerdgas als Brennstoff eingesetzt.

Der Geschäftsführer der Stadtwerke, Thomas Prauße, kritisierte die gefährliche Besetzung des Schornsteins durch „sogenannte Klimaaktivisten“. „Ich habe jederzeit Verständnis für Protest, aber nicht für diese Art von Aktionen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Man habe nichts dagegen, wenn Umweltaktivisten Plakate aufhängen oder vor dem Heizwerk protestieren, so Prauße. Dann werde man ihnen sogar Tische und Stühle rausstellen.

Aber sich in die lebensgefährliche Hitze von etwa 300 Grad Verbrennungstemperatur zu begeben - „das hat nichts mit Klimaprotest zu tun“. Zudem seien die Greifswalder Stadtwerke, die sich schon lange für erneuerbare Energie einsetzten, die falsche Adresse. Man baue gerade für 42 Millionen Euro den größten Solarthermiepark in Deutschland. Laut Prauße wurden die Stadtwerke am Morgen per E-Mail über die Besetzung unterrichtet. Dann habe man sofort abgeschaltet.

Scharfe Worte fand der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Greifswald für die Aktion. „Die sogenannten „Klimaaktivisten“ haben mit ihrer Aktion den Rahmen der politischen Auseinandersetzung über Klimaschutzpolitik verlassen und sind für mich schlicht Kriminelle“, sagte Fraktionschef Axel Hochschild. Sie schadeten Tausenden von Greifswaldern und den Stadtwerken. „Während der Aktion und in den anschließenden Gerichtsverfahren muss die ganze Härte des Gesetzes wegen dieses Hausfriedensbruchs gegen die Straftäter zum Einsatz kommen“, so Hochschild.

Die AfD im Schweriner Landtag betonte, Klimaschutz sei kein Freischein für Kriminalität. Die vorsätzliche Störung eines Kraftwerksbetriebes sei kein „Klima-Aktivismus“ oder „grüne Folklore“ mehr, sondern ein staatsgefährdender Akt, sagte AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer.

Die Grünen-Bürgerschaftsfraktion zeigte sich erleichtert, dass der Protest friedlich habe aufgelöst werden können. „Wir befürworten Proteste, die sich für den Erhalt unserer Lebensgrundlage einsetzen - dabei teilen wir aber nicht jede Aktionsform“, so Jörg König (Grüne), Vorsitzender des Ausschusses für Bauen und Klimaschutz. Man hätte es darum begrüßt, wenn die Aktivisten auf „die fairen Angebote“ der Stadtwerke früher eingegangen wären und den Schornstein um 8.30 Uhr wieder verlassen hätten.