Klimaschutz: Vegan essen, Bahnfahren und Strom sparen

Die einen wollen am liebsten bis 2025 klimaneutral sein, andere erst 2045: An Berliner Hochschulen wird Klimaschutz immer wichtiger. Das macht sich auch auf den Tellern der Studenten in den Mensen bemerkbar.

Von Anja Sokolow, dpa

Berlin - Montags kommt kein Fleisch mehr auf den Tisch und auch sonst werden Schnitzel und Co. in der Minderheit sein: In den Berliner Mensen soll das Essen ab dem Wintersemester noch ökologischer werden. „Das neue Ernährungskonzept wurde insbesondere entwickelt, weil Studierende immer wieder an uns herangetreten sind mit dem Wunsch, das Angebot in den Mensen noch klimafreundlicher zu gestalten“, erklärt Daniela Kummle vom Studierendenwerk.

Fleisch und Fisch sollen künftig nur noch vier Prozent des Speiseplans ausmachen, das restliche Angebot wird vegetarisch oder vegan sein. Bereits seit fast zehn Jahren wird in den großen Mensen laut Kummle täglich ein veganes, sogenanntes Klimaessen, aus frischen, saisonalen Hauptzutaten serviert. „Dieses zeichnet sich durch einen besonders geringen Co2-Fußabdruck aus.“ Momentan sind die Mensen allerdings geschlossen, Essen gibt es auf Bestellung zum Abholen.

Der Klimaschutz wird an den Berliner Hochschulen immer mehr zum Thema. Und das macht sich nicht nur auf den Tellern bemerkbar. Viele Hochschulen stellen umfangreiche Klimaschutzkonzepte auf. Die Technische Universität (TU) zum Beispiel hat sich vorgenommen, bis 2045 klimaneutral zu werden. Dazu sollen unter anderem Gebäude energetisch saniert werden. Hunderte Mitarbeiter wollen zudem bei Dienstreisen auf Kurzstreckenflüge verzichten und haben dazu eine Selbstverpflichtung unterschrieben.

„Wir haben das Thema Klimaschutz in den vergangenen vier Jahren deutlich nach vorn geschoben“, sagt Hans-Ulrich Heiss, TU-Vizepräsident für Lehre, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Nach außen hin sei das Engagement besonders sichtbar geworden, als Mitglieder des Präsidiums bei den Fridays for Future-Demonstrationen mitliefen.

Aktuell sei das „Climate Change Center Berlin Brandenburg“ ein wichtiges Projekt. In dem neuen Klimafolgen-Forschungszentrum mit Wissenschaftlern aus 34 Einrichtungen unter Federführung der TU sollen unter anderem die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen des Klimawandels erforscht werden.

An der Hochschule gebe es zudem Hunderte Forschungsprojekte und viele Studiengänge, die sich mit Klimaschutzfragen beschäftigten. „Wahnsinnig stark nachgefragt ist zum Beispiel „Nachhaltiges Management“, ein BWL-Studiengang mit grünem Touch“, erzählt Heiss. „Als wir den aufgesetzt haben, meldeten sich auf einen Schlag 600 Bewerber für 50 Plätze“.

Das Thema Nachhaltigkeit sei inzwischen ein Leitbild der Lehre. Jeder Student könne sich an einem entsprechenden Zertifikatsprogramm beteiligen. „Wir sind der Meinung, dass wir alle unsere Absolventen auf die nächsten Jahrzehnte vorbereiten müssen, nicht nur für den Beruf, sondern das Leben allgemein. Da wird der Klimawandel ein wesentliches Thema sein“, so Heiss.

Auch die Studenten selbst stellen demnach in Projektwerkstätten unter der Schirmherrschaft von Professoren seit vielen Jahren eigene Lehrveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit auf die Beine - von Photovoltaik über Bienenzucht bis hin zu klimafreundlicher Architektur. „Es ist ungeheuerlich, welche Fantasie und Erfindungsreichtum sie da entwickeln“, so Heiss.

An der Humboldt-Universität engagieren sich Studenten ebenfalls: Zu den Projekten des „Nachhaltigkeitsbüros“ gehören etwa der Podcast „Nachhall“, das Lehrprogramm „Studium Oecologicum“ oder auch Urban Gardening.

Die Hochschule will bis 2030 klimaneutral werden und hat jetzt zwei Klimaschutzmanager engagiert. Einer von ihnen: Martin Herrmann. Mit seiner Kollegin will er zunächst ein Klimaschutzkonzept aufstellen und gemeinsam mit Hochschulvertretern Maßnahmen entwickeln, um die Treibhausgas-Emissionen deutlich zu minimieren.

„Wir fangen natürlich nicht bei Null an. Es gibt bereits vielfältigste Aktivitäten, wie zum Beispiel Photovoltaikanlagen auf Dächern. Die HU bezieht außerdem mehr als 90 Prozent ihres Stroms aus Ökostrom“, so Herrmann. Außerdem sei auf dem Campus eine erste Elektroladesäule installiert worden. Und da Dienstreisen per Flugzeug ein großer Treiber von Treibhausgasemissionen seien, hätten sich über 500 Mitarbeiter bereit erklärt, auf Kurzstreckenflüge, die sich innerhalb von zwölf Stunden mit alternativen Verkehrsmitteln zurücklegen lassen, zu verzichten.

Aus Sicht des Klimamanagers Herrmann „macht es wenig Sinn, sich nur auf die Hochschule selbst zu beziehen“. Sie leiste mit ihrer Forschung zur Nachhaltigkeit natürlich einen ganz wichtigen Anteil. „Es ist auch wichtig, die Ergebnisse der Forschung nach außen zu tragen“.

„Die Freie Universität hat im Dezember 2019 als erste deutsche Hochschule den Klimanotstand ausgerufen“, teilte eine Mitarbeiterin mit. Eines ihrer Ziele: Klimaneutralität bis 2025. Bereits seit 20 Jahren werde ein aktives Klimamanagement betrieben. Seither seien der Heizöleinsatz um 98 Prozent, der Wärmeverbrauch um 35 Prozent der Stromverbrauch um 19 Prozent gesunken - unter anderem durch Gebäudesanierungen, ein Prämiensystem für die Fachbereiche, eigene Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke.