Krankenhausgesellschaft

Kliniken wollen schnelle Hilfe zum Schutz vor Pleitewelle

Können Krankenhäuser die Energiekrise und Inflation noch stemmen? Die Hilferufe vor allem an die Adresse von Bundesgesundheitsminister Lauterbach sind laut. Schlechte Nachrichten gab es bereits aus dem Süden Brandenburgs.

Von dpa Aktualisiert: 22.09.2022, 19:35
Ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Krankenhaus“ weist den Weg zur Klinik.
Ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Krankenhaus“ weist den Weg zur Klinik. Marcus Brandt/dpa/Symbolbild

Potsdam - Kliniken in Brandenburg werden aus Sicht der Krankenhausgesellschaft in Zahlungsschwierigkeiten kommen, wenn der Bund angesichts der Kostensteigerung keine schnelle Nothilfe leistet. In diesem Jahr noch drohten Liquiditätsengpässe bei dem ein oder anderen Krankenhaus, dies werde sich aber vor allem im kommenden Jahr zeigen, sagte der Vorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg (LKB), Detlef Troppens, am Donnerstag in Potsdam.

Energiekrise und Inflation, aber auch schwer stemmbare Investitionen gefährdeten die Kliniken. „Kurzfristig brauchen wir einen Inflationsausgleich, damit es nächstes Jahr nicht zur Pleitewelle kommt.“ Auch Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sagte am Donnerstag, der Bund müsse sehr schnell helfen.

Das Krankenhaus Spremberg (Kreis Spree-Neiße), das nach Ministeriumsangaben um die 130 Betten hat, beantragte vor etwa zehn Tagen eine Planinsolvenz als Schutzschirmverfahren. Damit soll die Möglichkeit einer Unternehmenssanierung gegeben sein. Die Krankenhausgesellschaft und auch Nonnemacher äußerten sich nicht zur Frage, ob bereits weitere Kliniken Insolvenz beantragt haben.

In Brandenburg gibt es dem Ministerium zufolge 66 Krankenhaus-Standorte. Bundesweit schrieben bereits 2021 viele Kliniken nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft rote Zahlen. Auch über akuten Personalmangel und Auswirkungen der Corona-Pandemie klagt die Gesundheitsbranche.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kündigte vor zwei Wochen ein Hilfspaket für die Kliniken wegen der stark gestiegenen Betriebskosten an. Dafür sollten in den nächsten Wochen konkrete Vorschläge vorgelegt und mit den Ländern beschlossen werden.

Die Krankenhausgesellschaft in Brandenburg forderte vom Bund zudem, die Finanzierung für die Kliniken langfristig zu reformieren. In der Versorgung müssten auch neue Wege eingeschlagen werden, sagte der Leiter der Abteilung Gesundheit im Ministerium, Michael Zaske. So könnten Krankenhäuser mehr Leistungen ambulant erbringen wie etwa einfache chirurgische Eingriffe.

Modellcharakter habe Templin, wo ein ambulant-stationäres Zentrum eröffnet wurde. Am 10. Oktober werde der Gesundheitsausschuss des Bundestages die Einrichtung in Templin besuchen, sagte Zaske.