Längeres Aufenthaltsverbot für Neckarwiese in Heidelberg

Stadt und Polizei erhöhen den Druck, die Heidelberger Neckarwiese wird in der Nacht gesperrt. So soll künftig Krawall an dem beliebten Treffpunkt verhindert werden.

Von dpa
Polizeibeamte gehen über die Neckarwiese.
Polizeibeamte gehen über die Neckarwiese. Rene Priebe/dpa/Archivbild

Stuttgart - Nach den nächtlichen Ausschreitungen feiernder Jugendlicher auf der Neckarwiese in Heidelberg plant die Kommune ab Donnerstag ein nächtliches Aufenthaltsverbot für den Bereich. Dies teilten Stadt und Polizei am Dienstag mit. Es soll sich an den erlaubten Öffnungszeiten der Gastronomie orientieren. Zudem soll es individuelle Verbote für bereits bekannte Störer geben. Innenminister Thomas Strobl (CDU) kündigte zusätzlich eine verstärkte Präsenz der Polizei vor Ort an.

Das Verbot gilt zunächst von diesem Donnerstag bis einschließlich Montag jeweils zwischen 21.00 und 6.00 Uhr und dann noch einmal über das Fronleichnams-Wochenende von Mittwoch (2. Juni) bis Montagfrüh (7. Juni). Sollten die Öffnungszeiten der Gastronomie bis 22.00 Uhr ausgeweitet werden können, würde sich auch der Beginn des Aufenthaltsverbots entsprechend verschieben, hieß es. „Unsere Botschaft ist ganz klar: Stadt und Polizei dulden keinen Krawalltourismus“, sagte Ordnungsbürgermeister Wolfgang Erichson. Szenen wie am Pfingstwochenende seien inakzeptabel.

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, schlug ein Alkoholverbot auf der Neckarwiese vor. Ein Aufenthaltsverbot allein, wie es die Stadt nun erlassen habe, sei nicht die Lösung. „Die Sperrung wird auch nicht den ganzen Sommer gehen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Bereits nach den Ausschreitungen hatte die Kommune kurzfristig ein solches Verbot erlassen. Das zeigte Wirkung. Es gab in der Nacht zum Dienstag keine feiernden Menschen. Dazu hatte auch das schlechte Wetter beigetragen.

Strobl sagte, nun werde man gemeinsam mit der Stadt erneut dafür sorgen, dass wieder Ordnung herrsche und die Neckarwiese für alle ein Ort der friedlichen und sicheren Begegnung bleibe. „Das lassen wir uns von ein paar Prolls nicht nehmen.“ Ein Sprecher der Kommune sagte, die Neckarwiese sei ein beliebter Aufenthaltsort und es komme dort immer mal wieder zu größeren Ansammlungen von Feiernden - wenngleich es in der Pandemie nicht mehr der Fall gewesen sei. „Das Ausmaß von Zerstörungen, Provokationen und Gewaltbereitschaft vom vergangenen Wochenende ist in dieser Form aber neu.“

Der Kriminologe Jörg Kinzig von der Universität Tübingen sagte: „Es ist schon zu vermuten, dass die gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Restriktionen der Corona-Zeit zusammenhängen.“

Am Pfingstwochenende waren die Feiern von Hunderten Menschen in der Heidelberger Innenstadt teils ausgeartet. Es wurde randaliert, Polizisten wurden unter anderem auch mit Flaschen beworfen. Wegen der Ausschreitungen wird wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Strobl verurteilte die Randale. Mit Ignoranz seien dort Freiheiten bewusst mit Füßen getreten und gegenüber der Polizei mit aggressivem Verhalten und Gewalt missbraucht worden.

Zwei Beamte seien durch Flaschenwürfe verletzt worden, eine Polizistin brach sich den Fuß. Es wurden acht Fahrzeuge der Polizei beschädigt. Auch in den kommenden Tagen will die Polizei verstärkt vor Ort sein und bei Ordnungsstörungen konsequent einschreiten, wie Strobl bekräftigte. Die Polizei hat nach Angaben einer Sprecherin eine Ermittlungsgruppe eingesetzt und wertet Bildmaterial aus.

Die Stadt Heidelberg und das Land hatten bereits im Februar 2018 eine Sicherheitspartnerschaft vereinbart mit dem Ziel, die Kriminalität im öffentlichen Raum zu reduzieren und das Sicherheitsempfinden der Menschen zu verbessern.

Der Heidelberger Nachtbürgermeister Jimmy Kneipp äußerte im Hörfunkprogramm SWR 1 Verständnis dafür, dass die Menschen wieder rausgehen und feiern wollen. Die Neckarwiese dauerhaft zu sperren, sei für ihn keine langfristige Lösung. Kurzfristig gehe es aber nicht anders.