Lerngruppen für Ungetestete sollen Corona-Risiko senken

Einst mussten Schüler, die sich nicht testen lassen wollten, zu Hause bleiben. Wenn nun für die ersten beiden Schulwochen erneut eine Testpflicht eingeführt wird, sollen diese Schüler aber trotzdem zur Schule gehen - und möglichst in separaten Gruppen lernen.

Von dpa

Erfurt - Schüler, die weder geimpft, noch genesen und auch nicht getestet sind, sollen nach Plänen des Thüringer Bildungsministeriums in den ersten zwei Wochen möglichst in separaten Lerngruppen unterrichtet werden. „Voraussetzung ist, dass die Schule die personellen und die räumlichen Bedingungen dafür hat“, sagte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Damit soll die Gefahr reduziert werden, dass ungetestete Schüler unwissentlich das Coronavirus weitergeben.

Für das kommende Schuljahr sehen die Pläne des Bildungsministeriums eine zweiwöchige Sicherheitsphase vor, in der es eine Testpflicht für alle Schülerinnen und Schüler geben soll - unabhängig von der jeweils geltenden Warnstufe in den Thüringer Regionen. „Der Sicherheitspuffer steht“, sagte Holter am Freitag.

Nach diesen zwei Wochen soll es diese Testpflicht dann nur noch in der höchsten Warnstufe drei geben. Wer sich nicht testen lässt, soll trotzdem weiter zur Schule gehen. „Alle sind in der Schule“, betonte Holter. Befreiungsmöglichkeiten seien aber etwa für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen möglich. Wenn es in der Familie Menschen mit Vorerkrankungen gebe, seien Härtefallentscheidungen denkbar.

Lerngruppen, wie sie in den ersten beiden Schulwochen - also vom 6. bis zum 19. September - angedacht sind, sollen auch danach angestrebt werden, wenn in einer Region die Warnstufe zwei oder drei gilt. Nach den Herbstferien sollen diese separaten Lerngruppen mit Ungetesteten dann in der Warnstufe zwei nur noch für die Klassenstufen eins bis sechs eingerichtet werden. Hintergrund dafür ist, dass das Ministerium davon ausgehe, dass bis zu den Herbstferien noch nicht alle Schüler ab zwölf Jahren, für die der Impfstoff zugelassen und von der Ständigen Impfkommission empfohlen ist, bereits die Möglichkeit hatten, sich vollständig impfen zu lassen.

Lehrer können sich in Thüringen schon seit Monaten impfen lassen. Doch einen Gesamtüberblick, wie hoch der Anteil geimpfter Lehrer an Thüringer Schulen ist, gibt es bislang noch nicht. Es gebe keine generelle Offenlegungspflicht des Personals, teilte das Thüringer Bildungsministerium auf Nachfrage mit. Eine „statistisch saubere Erfassung“ könne „Stand jetzt auch nicht erfolgen“, hieß es. „Wir gehen von einer insgesamt sehr hohen Impfquote im Lehrpersonal aus“, teilte das Ministerium mit.

Ein genaueres Bild könnte sich aber mit den neuen geplanten Regeln zum Testen an Schulen ergeben: „Dort, wo sich Regelungen etwa zum Testen am Prinzip 3G orientieren, würden Geimpfte und Genesene von Testungen ausgenommen. Insofern müssten Lehrkräfte dann ihren Status offenlegen, wenn sie nicht getestet werden möchten“, heißt es aus dem Ministerium. Das 3G-Prinzip steht für Geimpfte, Genesene und Getestete.