LEV Thüringen verlangt mehr Einsatz für Luftfilter

Luftfilter sollen das Corona-Infektionsrisiko an Schulen deutlich reduzieren. Doch noch lange nicht alle Klassen in Thüringen werden rechtzeitig zum Schulbeginn im September ausgerüstet sein.

Von dpa
Ein Luftfilter steht in einem Klassenzimmer.
Ein Luftfilter steht in einem Klassenzimmer. Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Erfurt - Der Einbau von Luftfiltern in den Schulen in Thüringen ist aus Sicht der Landeselternvertretung Thüringen (LEV) zu schleppend angelaufen und „nicht ausreichend“ im Gange. „Was die Luftfilter angeht, könnte man weiter sein“, sagte Koch. „Ich denke, man hat nicht genug vorgearbeitet.“ Hier sei eine Chance im Kampf gegen die Ausbreitung nicht genutzt worden, so Koch.

Einen Grund für den mangelnden Fortschritt sieht Koch in den Anforderungen einzelner Förderprogramme, die „teils an der Realität vorbeigehen“. So habe der Bund etwa zunächst ausschließlich den Einbau von stationären Frischluft-Klimaanlagen in Kindergärten und Schulen gefördert. Die Voraussetzungen für den Einbau solcher Geräte, die Coronaviren aus der Atemluft filtern können, seien in den meisten Schulen in Thüringen aber gar nicht gegeben. Das Nachjustieren mit Förderungen mobile Luftfilter sei zu spät gekommen.

Am Dienstag hatte Thüringens SPD-Chef Georg Maier in einem Interview Fehler im Umgang mit dem Thema zugegeben. „Ich gebe zu, man hätte das Thema früher angehen können“, sagte Maier. Der Einbau von Luftfiltern an den Thüringer Schulen sei bis zum Beginn des neuen Schuljahres im September nicht flächendeckend umsetzbar. „Die Zeit wird wahrscheinlich nicht ausreichen.“

Mehrere Schulen in Thüringen konzentrieren sich nach eigenen Angaben mit Blick auf den Schulbeginn im September auf den Einbau sogenannter CO2-Ampeln. Die Sensoren messen den CO2-Gehalt, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit. Über eine Ampelanzeige wird signalisiert, wann wie lange gelüftet werden soll.

Seit Ende Juli werden etwa laut Landratsamt alle 54 Schulen des Landkreises Schmalkalden-Meiningen mit solchen Messsensoren zur Bewertung der Luftqualität ausgestattet. Mit den CO2-Ampeln wolle man einen möglichst sicheren Unterricht nach den Ferien gewährleisten, hieß es. Bis spätestens Ende Oktober sollten für insgesamt 295.000 Euro alle Schulen mit den Geräten ausgestattet sein.

Die Investition ist aus Sicht der Sprecherin der Thüringer Landeselternvertretung (LEV), Claudia Koch, unnötig. „Das kann man auch ausrechnen, da braucht man keine Ampeln für“, kritisierte sie. „Am Ende sind es im Winter wieder minus zehn Grad und wir reißen die Fenster auf“, so Koch. Zwar sei Lüften noch immer die beste Lösung, es gebe aber mit Luftfiltern wirksame Alternativen.

Zur Unterstützung stelle man auch den Schulen in Gera CO2-Messgeräte zur Verfügung. Auf der Basis der Empfehlung des Bundes setze man hier aber primär auf „freies Lüften“ von Klassenräumen, teilte die Stadt mit. Mit weit zu öffnenden Fenstern stelle man eine gute Lüftung sicher, hieß es vonseiten der Stadt. Dafür würden aktuell einzelne Fenster repariert oder ausgetauscht. Mobile Luftfilter werde man in Geraer Schulen nur in Ausnahmefällen einsetzen.

„Wenn die Luftfilter jetzt nicht drin sind, werden wir uns nicht hinstellen und fordern, dass die Schulen dicht bleiben“, sagte Koch. Das oberste Ziel sei, dass die Schulen im kommenden Schuljahr offen blieben. Um das sicherzustellen, seien aber Chancen vertan worden. Eine Ausnahme ist etwa Eisenach: Hier wurden seit Anfang August 62 mobile Luftreinigungsgeräte in den Schulen verteilt, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Dabei handle es sich um 50 Geräte für Räume bis 50 Quadratmeter und zwölf Geräte für Raumgrößen bis 75 Quadratmeter. Insgesamt habe man 81.000 Euro Förderung erhalten. Die sei komplett für die Anschaffung der mobilen Geräte verwendet worden. Diese sollen laut Stadt den Klassen eins bis sechs bereitgestellt werden - primär der Jahrgangsstufe vier.