Mehr Aggression und Drogen in Thüringer Gefängnissen

Inhaftierte sind in Thüringen laut Justizministerium zunehmend aggressiv und verhaltensauffällig. Gründe dafür gibt es mehrere.

Von dpa

Erfurt - In Thüringen ist die Zahl verhaltensauffälliger und aggressiver Gefangener in den Justizvollzugsanstalten (JVA) nach Behördenangaben gestiegen. Das sei auf eine zunehmende Drogenproblematik zurückzuführen, sagte ein Sprecher des Justizministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Der Großteil der Inhaftierten komme mit einer „Drogengeschichte“ in die Anstalt und damit direkt in den Entzug. „Und das hat natürlich auch psychische Auswirkungen“ und bedinge Auffälligkeiten im Verhalten, erläuterte der Sprecher.

Mit engmaschigeren Kontrollen und mehr Beratungsangeboten in den Gefängnissen versuche man, dagegen anzugehen. Allen Inhaftierten werde das Angebot gemacht, an einer Drogenberatung teilzunehmen.

In den vergangenen fünf Jahren sind nach Angbaben des Ministeriums in 212 Fällen Betäubungsmittel sichergestellt worden. Die Entwicklung unterscheide sich dabei von Anstalt zu Anstalt. Eine generelle Zunahme der Zahl illegal eingeschmuggelter Betäubungsmittel lasse sich dabei jedoch ebenso wenig feststellen wie ein Rückgang. Außerdem „wurden 32 von Gefangenen begangene Taten als besondere Vorkommnisse mit Gewalt gegen Personen“ gemeldet. Eine signifikante Erhöhung gebe es aber auch hier nicht, so der Sprecher.

Bei den „besonderen Vorkommnissen mit Gewalt gegen Personen“ handle es sich hauptsächlich um körperliche Gewalt, die sich gegen das Personal oder Mitgefangene richte. Zu ihrer Sicherheit seien die Angestellten mit Schutzausrüstung bestehend aus Helm, Schild, Einsatzstock, Pfefferspray und Schutzkleidung ausgestattet. „Schusswaffen stehen den Bediensteten ebenfalls zur Verfügung, dürfen aber innerhalb der Justizvollzugseinrichtungen nicht eingesetzt werden“, hieß es.

Die JVA in Gotha biete zudem regelmäßig Fortbildungen zu den Themen „Deeskalationstechniken„ und „Umgang mit schwierigen und gefährlichen Gefangenen“ an.

Die Bewohner in Gefängnissen seien per Definition „sicher erhöht verhaltensauffällig“, sagte der Vorsitzende des bundesweit tätigen Vereins für freie Straffälligenhilfe Set-Free, Pedro Holzhey. Aktuell steigere Corona die Frustration. Die pandemiebedingten Einschränkungen seien „für Gefangene, die eh schon sehr eingeschränkt sind“, nur schwer zu ertragen. Lockerungen und Besuche fielen teils ersatzlos aus. Das könne durchaus vermehrt zu Konflikten führen.

Thüringen verfügt mit den Einrichtungen in Tonna (Gotha), Untermaßfeld (Schmalkalden-Meiningen), Suhl-Goldlauter (Suhl) und Hohenleuben (Greiz) über vier Justizvollzugsanstalten, ausschließlich für Männer. Hinzukommen eine Jugendstrafanstalt (JSA) und eine Jugendarrestanstalt (JAA) in Arnstadt. Insgesamt gibt es aktuell - exklusive JAA - laut Justizministerium 1854 Haftplätze.