Mehr Hinweise auf gefährdete Kinder im Corona-Jahr 2020

Von dpa 09.07.2021, 12:02
Der Schatten von einem Mann und einem schaukelnden Kind fallen auf Sand auf einem Spielplatz.
Der Schatten von einem Mann und einem schaukelnden Kind fallen auf Sand auf einem Spielplatz. Julian Stratenschulte/dpa/Illustration

Hannover (dpa/lni) - Die niedersächsischen Jugendämter haben im Pandemiejahr 2020 mehr Hinweise auf gefährdete Kinder erhalten als im Vorjahr. Insgesamt hätten sie 15.015 Gefährdungseinschätzungen vorgenommen, teilte das Landesamt für Statistik in Hannover mit. Dies waren etwa 6,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei 4090 Kindern, also gut einem Viertel der Fälle, stellten die Jugendämter eine Kindeswohlgefährdung fest. In 1858 Fällen war diese akut. Es gab 1092 Mal Anzeichen für die Vernachlässigung des Kindes, 622 Mal Anzeichen für eine körperliche Misshandlung.

Akut gefährdet waren etwa zwölf Prozent weniger Mädchen und Jungen als 2019. Dagegen stieg die Zahl der latenten Kindeswohlgefährdungen um 14,9 Prozent. Bei 1356 Kindern gab es Anzeichen von Vernachlässigung, in 707 Verfahren wurde eine psychische Misshandlung erkannt. Mehrfachnennungen waren möglich. In 10.925 Verfahren wurde keine Gefährdung festgestellt, in 5090 dieser Fälle wohl aber ein Hilfe- oder Unterstützungsbedarf in der Familie.

Die Hinweise auf mögliche Gewalt gegen Kinder oder auf Vernachlässigung seien im Corona-Jahr deutlich seltener von Schulen und Kitas gekommen, hieß es weiter. Dagegen informierten häufiger Freunde oder Bekannte beziehungsweise ein Elternteil die Behörden.

Auch Einrichtungen der Jugendarbeit beziehungsweise -hilfe schalteten das Jugendamt ein. In 4075 Fällen (plus 3,2 Prozent) zeigten Polizei, Gerichte oder Staatsanwaltschaft die Gefährdung an.