Agrar

Mohnanbau weitet sich aus: Ertrag bleibt 2021 enttäuschend

Felder mit lila blühenden Mohnpflanzen nehmen zu in Sachsen. Erst seit einigen Jahren experimentieren Bauern mit dem Anbau. In der Erntezeit zeigen sich Probleme.

Von dpa 01.09.2021, 05:16 • Aktualisiert: 03.09.2021, 06:03

Markneukirchen/Helbigsdorf - Lilafarben leuchtende Mohnfelder in Sachsen: Um den Anbau von Mohn hat sich bei einigen Landwirten des Freistaates in den vergangenen Jahren ein Trend entwickelt, sagte Michael Kilian von der Agro-Dienst-Marktfrucht GmbH in Markneukirchen im Vogtland. „Dabei rechnen wir aktuell mit einer schlechten Ernte. Es war zu kalt, zu nass und die Sonne fehlte. Die Mohnkapseln seien klein, von Pilzen befallen und wenig ausgebildet.

In den vergangenen Jahren ist laut Bundesopiumstelle ein deutlicher Anstieg der Mohn-Anbauflächen in Deutschland zu verzeichnen. Die Daten von 2020 zeigten einen Rekord von rund 1044 Hektar ausgesätem Mohn in Deutschland. Die meisten Felder liegen in Niedersachsen, dicht gefolgt von Sachsen, erklärt eine Sprecherin der Einrichtung, die zu dem Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gehört. Dort wird der Anbau kontrolliert - die Bauern brauchen eine Genehmigung. Zugelassen seien nur die Sorten „Mieszko“, „Viola“ und „Zeno Morphex“, bei denen der Gehalt des Morphins - das zu den Opiaten zählt - unter 0,02 Prozent liegt.

Da mehr Bauern Mohn anbauen, hat das für Geschäftsführer Michael Kilian Auswirkungen auf den eigenen Landwirtschaftsbetrieb. „Weil das Angebot gestiegen ist, sind die Preise drastisch gefallen“. Hauptverantwortlich sei auch ein vermehrter Anbau im Nachbarland Tschechien. Mohn sei eine Hochrisiko-Kultur. „Beim Ertrag und beim Preis kann alles passieren“. Der Preis für ein Kilogramm Mohn könne innerhalb weniger Monate zwischen einem und fünf Euro schwanken, sagt Kilian, auf dessen Feldern 48 Hektar Mohn stehen und geerntet werden.

Genaue Daten, wie viele sächsische Bauern in diesem Jahr Mohn angebaut haben, stehen laut Sächsischem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfLUG) noch aus. Den Angaben zufolge haben sich die Mohnfelder im Freistaat von 2017 zu 2020 von 137 Hektar auf 262 Hektar vergrößert. Sieben Betriebe bauten im letzten Jahr die Pflanzen an, deren kleine Körner aus den Kapseln für Gebäck oder Süßspeisen verwendet werden. Erst seit acht Jahren sei der Mohnanbau wieder erlaubt, sagt Dieter Schober aus dem Wilsdruffer Ortsteil Helbigsdorf (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge).

Er selbst ist mit seinem Landwirtschaftsbetrieb das zweite Jahr dabei, gerade wurden zehn Hektar Mohn bei ihm geerntet. „Trotz des aktuellen Trends wird der Mohn ein Nischenprodukt für die Bauern bleiben. Es braucht viel Wissen, auch nach der Ernte muss er in einem Lagerraum zusätzlich getrocknet werden“. Denn Mohn nehme im Gegensatz zu anderem Getreide mehr Luftfeuchtigkeit auf. Erst später könne er abschätzen, ob die diesjährige Ernte wirklich zufriedenstellend war, sagt Schober.

Von größeren Schäden auf den Mohnfeldern berichtet Philipp Schlachte von der Agrargenossenschaft „Heidefarm“ Sdier (Landkreis Bautzen). „Die Mohnpflanzen sind leider bei Wildgänsen sehr begehrt. Ein weiteres Problem waren die Menschen. Wir rechnen nicht mit Spitzenerträgen“. Von unerlaubten Fotoshootings in den Mohnfeldern - gar mit Fahrzeugen - berichtet der Landwirt, der Mohn auf einer Fläche von fünf Hektar anbaut. Im günstigsten Fall könne ein Landwirt 1,5 Tonnen Mohn pro angebautem Hektar ernten. „Früher in der DDR waren Mohnfelder in unserer Region sehr verbreitet. Wir wollten wieder für mehr Vielfalt auf den Feldern sorgen.“