MV Werften: Wechsel in Transfergesellschaften stehen bevor

Von dpa 02.07.2021, 14:35

Wismar - Etwa 640 Mitarbeiter an allen drei Standorten der MV-Werften-Gruppe werden nach Informationen der IG Metall Küste in den nächsten Tagen ein Angebot zum Wechsel in Transfergesellschaften bekommen. „Mit Mindestlaufzeiten von sieben Monaten und einer vernünftigen Ausstattung für Qualifizierungen sowie Abfindungen haben wir in den Verhandlungen zum Sozialtarifvertrag gute Bedingungen durchsetzen können“, sagte IG-Metall-Geschäftsführer Stefan Schad am Freitag. Damit greife der zum 1. August geplante erste Schritt des Personalabbaus. In den Transfergesellschaften sollen die Mitarbeiter für neue Aufgaben qualifiziert und vor der direkten Arbeitslosigkeit geschützt werden. Das Unternehmen war am Freitag nicht zu erreichen.

Werften, Arbeitgeber und Gewerkschaften hatten Anfang Juni einen Transfer- und Sozialtarifvertrag abgeschlossen. Darin heißt es, wenn bis Ende des Jahres 2021 kein beschäftigungswirksamer Auftrag für die reduzierte Kapazität der Werften zustande komme, sehe die Planung die Einstellung des operativen Betriebs in Rostock und Stralsund vor. Am Standort Wismar könne der Betrieb zur Jahresmitte 2022 nach Fertigstellung des Kreuzfahrtschiffes Global 1 eingestellt werden.

Die IG Metall forderte Bund, Land und die Werften deshalb auf, zügig Verhandlungen über weitere Aufträge aufzunehmen. „Wir brauchen Arbeit auf den Werften. Für die Beschäftigten und Standorte müssen Perspektiven mit und ohne Genting entwickelt werden“, betonte Schad. Dafür blieben nur wenige Monate Zeit, sonst drohe ein weiterer Jobabbau und die Stilllegung der Werften. Genting Hongkong hatte die Werften in Warnemünde, Wismar und Stralsund 2016 übernommen, um Kreuzfahrtschiffe für den eigenen Bedarf zu bauen.

Nach monatelangen Verhandlungen hatten die Werften im Juni rund 300 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung erhalten. Wegen der coronabedingten Unterbrechung der Kreuzschifffahrt war eine der wichtigsten Einnahmequellen des Konzerns weggebrochen - mit dramatischen Folgen für die Schiffbauer. Ein Großteil der knapp 3000 Beschäftigten musste in Kurzarbeit.