Nach Diebstahl von Goldmünze nur halbe Versicherungssumme

Von dpa
Eine goldfarbene Justitia-Figur.
Eine goldfarbene Justitia-Figur. Britta Pedersen/ZB/dpa/Symbolbild

Berlin - Der Eigentümer der gestohlenen, riesigen Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum soll laut einem Gerichtsurteil noch knapp 1,3 Millionen Euro von der Versicherung bekommen. Einen Anspruch auf den Versicherungswert von 4,2 Millionen Euro gebe es aber nicht, teilte das Kammergericht am Mittwoch mit. Dem Eigentümer stünden 50 Prozent der Summe zu, urteilten die Richter in dem Zivilrechtsstreit. Damit wurde die Entscheidung der Vorinstanz (Landgericht) in dem Punkt geändert.

Laut Gericht hatte die Versicherung nach dem Diebstahl 20 Prozent der Versicherungssumme ausgezahlt (840 000 Euro). Das Landgericht hatte die Klage des Eigentümers auf weitere Zahlungen abgewiesen. Dagegen hatten sowohl der Eigentümer als auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Trägerin des Museums Berufung eingelegt.

Laut Kammergericht könne der Schadenersatz zwar beansprucht werden. Die Versicherung sei aber berechtigt, die Versicherungssumme um die Hälfte zu kürzen, da die Stiftung als Versicherungsnehmerin grob fahrlässig gehandelt habe.

Die 100 Kilogramm schwere Goldplatte war in der Nacht zum 27. März 2017 aus einer Vitrine gestohlen und mit Schubkarre und Rollbrett abtransportiert worden. Die Diebe waren durch ein Fenster eingestiegen. Die Beute ist bis heute verschwunden. Das Landgericht hatte gegen zwei Männer aus einer polizeibekannten, arabischstämmigen Großfamilie Jugendstrafen von jeweils viereinhalb Jahren Haft verhängt. Ein Ex-Wachmann, der nach Überzeugung des Gerichts das Museum auskundschaftete, bekam drei Jahre und vier Monate Gefängnis.

Das Zivilgericht argumentierte nun, der defekte Fensterflügel habe die Gefahr des Diebstahls erhöht. Die elektronische Überwachung dieses Fensters habe seit längerem nicht funktioniert. Das hätte angezeigt werden müssen, so das Kammergericht. Der Mangel sei auch nicht durch andere Maßnahmen kompensiert worden. Nach Überzeugung des Gerichts hätte der Versicherer die Einzelpolice für die Münze nicht abgeschlossen, hätte er von der dauerhaften Deaktivierung der Öffnungssicherung gewusst. Dies sei erst nach dem Diebstahl bekannt geworden. Die Versicherung soll nun noch genau 1,26 Millionen Euro nebst Zinsen zahlen.

Eine Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen, gegen die Nichtzulassung kann noch Beschwerde beim Bundesgerichtshof eingelegt werden.