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Nach Kraftwerks-Blockade: Ermittlungen gegen Gruppe

Eine überraschende und gefährliche Blockade eines Heizwerkes hat für die Verursacher wohl Folgen. Es wird wegen Hausfriedensbruchs und anderer Vergehen ermittelt. Die Stadtwerke haben ihre Sicherungsmaßnahmen verschärft.

Von dpa
Blick über die Altstadt von Greifswald.
Blick über die Altstadt von Greifswald. Stefan Sauer/dpa/Archivbild

Greifswald - Nach der Blockade eines Blockheizkraftwerkes in Greifswald ermittelt die Polizei wegen Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz gegen sechs Tatverdächtige. Die Gruppe, aus der mehrere Teilnehmer am Freitagfrüh auf einen 30 Meter hohen Kraftwerksschornstein geklettert waren, sei inzwischen aber wieder auf freiem Fuß, wie ein Polizeisprecher am Montag sagte. Die Stadtwerke Greifswald, die nach dem Vorfall Anzeige erstatteten, haben ihre Sicherheitsvorkehrungen jetzt verstärkt, wie eine Sprecherin am Montag erklärte. Dies betreffe alle Kraftwerke und anderen sicherheitssensiblen Anlagen.

Wegen der gefährlichen Situation hatten die Stadtwerke Greifswald die Anlage am Freitagvormittag abgeschaltet. 450 Haushalte und 25 Firmen im Stadtzentrum waren über Stunden von Heizung und Warmwasserversorgung abgeschnitten. Zu möglichen Schäden wollten die Stadtwerke mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben machen.

Die Tatverdächtigen, die sich als Umweltaktivisten bezeichneten, kommen überwiegend aus Greifswald und Umgebung, wie der Sprecher der Polizei erklärte. Sie hätten angegeben, allein zu handeln und keiner bekannten Umweltschutzorganisation anzugehören. Von vier Mitgliedern, darunter zwei Frauen, seien die Identitäten komplett geklärt. Drei Mitglieder der Gruppe, die zeitweise auf dem Schornstein waren, hätten die Feststellung der Personalien bei der Polizei verweigert. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet.

Eine 25-Jährige sei aber von einer Polizistin als Greifswalderin erkannt worden. Die zwei Männer hätten sich unter anderem die Hände mit einer klebrigen Substanz eingeschmiert, damit ihnen keine Fingerabdrücke abgenommen werden können, und sie hätten ihre Gesichter verschmutzt. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft seien die Gesichter gereinigt, fotografiert und andere erkennungsdienstliche Daten genommen worden.

Die Stadtwerke Greifswald hatten die Aktion als „lebensgefährlichen Akt“ kritisiert. Die letzten drei Gruppenmitglieder hatten ihre Kletteraktion erst nach mehreren Stunden und Vermittlungsgesprächen abgebrochen. Ihr Protest hatte sich gegen die Verwendung fossiler Brennstoffe gerichtet. Auf einem großen Transparent stand „Gas is over“ (in etwa: Die Zeit des Gases ist vorbei). In der Anlage werden zur Elektroenergieerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung Erdgas oder Bioerdgas als Brennstoff eingesetzt. Die Wärme wird für Heizung und Warmwassererzeugung genutzt.

Mehrere Parteien hatten die Aktion in scharfer Form kritisiert. „Die sogenannten „Klimaaktivisten“ haben mit ihrer Aktion den Rahmen der politischen Auseinandersetzung über Klimaschutzpolitik verlassen und sind für mich schlicht Kriminelle“, sagte Axel Hochschild von der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Greifswald.