Navigations-App für besseren Schutz von Meeresschutzgebieten

In den flachen Gewässern südlich von Rügen tummeln sich viele geschützte Wasservögel. Doch ist das Rast- und Brutgebiet auch bei Anglern und Freizeitkapitänen beliebt. Interessenkonflikte sind da vorprogrammiert. Mit Hilfe einer App sollen sie verringert werden.

Von dpa 03.06.2021, 13:10
Heringsangler stehen an der Kaikante im Stadthafen.
Heringsangler stehen an der Kaikante im Stadthafen. Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Greifswald/Sellin - Eine neue App ermöglicht Anglern und Sportbootführern künftig ein gesetzeskonformes und tierschutzgerechtes Navigieren durch die Gewässer südlich von Rügen. Wie die Naturschutzorganisation WWF als Initiator am Donnerstag mitteilte, hilft die elektronische Seekarte den Überblick über die Vielzahl der dort geltenden Regelungen zu behalten. Der Greifswalder Bodden und der Strelasund gelten als beliebte Angel- und Freizeitreviere, stehen wegen der dort lebenden und rastenden Arten aber auch unter besonderem Schutz.

Die kostenlose App integriere Schutzzonen, Hinweise zu Schonzeiten und geschützten Arten. Damit ließen sich Routen auf dem Wasser planen und die Grenzen zu geschützten Bereichen vom Boot aus leicht erkennen. „Auf dem Wasser gibt es beispielsweise keine Seezeichen, die die Grenzen der Schutzgebiete markieren. Dieses Problem haben wir jetzt gelöst“, erklärte Schutzgebietsbetreuer Florian Hoffmann.

Der WWF habe die App zusammen mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern in Auftrag gegeben, um Störungen von Tieren in geschützten Buchten zu vermeiden und die Nutzung der Boddengewässer im Einklang mit der Natur zu vereinfachen. Angler könnten in der App Mindestmaße und Schonzeiten verschiedener Fischarten nachschlagen, ein durchgestrichener Angelhaken neben einem Fisch zeige ein Fangverbot für die Art an.

„Die App ist ein Meilenstein bei der Umsetzung der freiwilligen Vereinbarung zwischen dem Naturschutz und den Nutzerverbänden im Strelasund und Greifswalder Bodden. Ich hoffe, dass sie eine weite Verbreitung und Anwendung findet“, sagte Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) anlässlich der Vorstellung der App in Seedorf auf Rügen. Sie erleichtere Bootsführern die Orientierung, helfe sensible Gebiete besser zu schützen und vermittle darüber hinaus Informationen zur Naturausstattung. In dem Natura-2000-Gebiet leben Seeadler, für Gänse und viele Arten von Watvögeln ist die Region Rast- und Brutgebiet.

Die von der in Prag und Berlin tätigen App-Schmiede Ackee entwickelte App steht den Angaben zufolge, je nach Spracheinstellung des Smartphones, auf Deutsch, Englisch und Polnisch für iOS und Android zur Verfügung.