Neue Thüringer Familienkarte erst Anfang August einsetzbar

Freibäder, Kinos, Tierparks, Burgen: Orte, die Familien in den Sommerferien gerne besuchen. Über Gutscheine sollte der Eintritt für Kinder kostenlos sein. Die Ferien sind da, die Gutscheine noch nicht.

Von dpa

Erfurt - Die Freizeit-Gutscheine des Landes Thüringen für Kinder sind nicht rechtzeitig zu Beginn der Sommerferien fertiggestellt worden. „Die Gutscheinhefte und die Anschreiben an die Familien befinden sich gerade in der Produktion“, teilte das Sozialministerium am Samstag mit. Es begründete den verspäteten Start mit Lieferengpässen der Papierindustrie. Man plane, ab Mitte nächster Woche die Gutscheinhefte an die Ausgabestellen zu verteilen. In der zweiten Ferienwoche sollen die Familien dann die Anschreiben erhalten, mit denen die Hefte abgeholt werden können.

Mit einer neuen Familienkarte sollte jede Familie mit Kindern mit Beginn der Sommerferien Ende Juli vom Land Gutscheine in Höhe von 50 Euro pro Kind erhalten, die ihnen kostenlose Besuche in Kultur- und Freizeiteinrichtungen ermöglichen. Damit hatte der Freistaat Familien mit Kindern für die Entbehrungen während der Corona-Pandemie entschädigen wollen. In Thüringen gibt es rund 360.000 kindergeldberechtigte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

„Die Ferien beginnen, aber die Thüringer Familien warten noch immer auf die versprochenen Erleichterungen“, kritisierte die familienpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Beate Meißner. Es handele sich um ein „Trauerspiel“. Auch nach dem letzten Schultag vor den Sommerferien liege nicht einmal eine angekündigte Notlösung in Form eines Gutscheinhefts vor. Das habe „nicht mehr viel mit der Idee zu tun, die wir im Dezember in den Haushalt hineinverhandelt hatten“, so Meißner.

Für eine entsprechende App als digitales Angebot stünden seit Dezember mehr als 20 Millionen Euro im diesjährigen Haushalt bereit, so Meißner. Sie warf dem zuständigen Ministerium vor, die Arbeit daran monatelang nicht aufgenommen zu haben. Auch das Fehlen des alternativ angekündigten Gutscheinhefts kritisierte sie. „Die Eltern haben bisher keinerlei Informationen“, so Meißner.

Dass die Landesregierung sich nun „mit einem Gutscheinheft behelfen“ wolle, „das nicht mal fälschungssicher ist“, werfe zudem kein gutes Licht auf die Digitalisierungskompetenz des Ministeriums und der Digitalagentur. Die Papier-Gutscheine böten den Vorteil, dass kein Handy benötigt werde. So könnten Kinder die Gutscheine beispielsweise problemlos im Freibad einsetzen. Die App verzögert sich laut Medienberichten aus Gründen des Datenschutzes.

In Zukunft sollen laut Ministerium mehrere Einrichtungen in jedem Landkreis die Gutscheine verteilen. „Neben Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind auch Tourist-Informationen und Impfstellen in die Verteilung eingebunden.“ Insgesamt soll es thüringenweit 50 bis 60 Ausgabestellen geben. Die Gutscheine sollen in über 100 Einrichtungen einlösbar sein.