NRW-Gastgewerbe kritisiert strenge Mindestabstand-Regel

Von dpa
Zwei Tische stehen im Mindestabstand von zwei Metern.
Zwei Tische stehen im Mindestabstand von zwei Metern. Rolf Vennenbernd/dpa

Neuss - Ein Sonderweg Nordrhein-Westfalens bei Corona-Regeln sorgt für Unmut im Gastgewerbe. Laut der noch bis zum 4. Juni gültigen Corona-Schutzverordnung muss zwischen Gästen, die drinnen an verschiedenen Tischen sitzen, ein Abstand von mindestens zwei Metern sein. In anderen Bundesländern sind es hingegen nur 1,50 Meter. Durch den halben Meter müssen viele Restaurants und Cafés ihre Anzahl an Sitzplätzen deutlich reduzieren. Nach Schätzung des Branchenverbandes Dehoga sank sie Zahl der Plätze bereits im vergangenen Jahr, als Corona-Regeln mit einem Abstand von 1,50 Metern galten, um etwa 40 Prozent im Vergleich zu Vorkrisen-Zeiten. Nun wird der zusätzliche Platzverlust auf 20 Prozentpunkte geschätzt.

Der Dehoga äußert Unverständnis. Dadurch werde der Branche das Geschäft noch weiter erschwert, moniert das Branchensprachrohr und verweist darauf, dass man im vergangenen Jahr bei geöffneten Lokalen erwiesenermaßen kein Pandemietreiber gewesen sei. „Die Landesregierung muss zumindest den alten Abstand wieder herstellen“, fordert Haakon Herbst, Regionalpräsident des Dehoga NRW.

Es verweist darauf, dass ohnehin nur noch Geimpfte, Getestete und Genesene an den Tischen bedient werden, und das auch nur in Kreisen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50. „Die Inzidenzen fallen, die Abstände steigen“, moniert Herbst. „Das kann nicht sein.“ So sei wirtschaftliches Arbeiten nicht möglich.

Derzeit dürfen Restaurants, Cafés und Gasthäuser ihren Innenbereich nur in den Kreisen Münster, Coesfeld und Soest öffnen und Besucher an Tischen bedienen. Es ist aber absehbar, dass in den nächsten Tagen und Wochen weitere Kreise hinzukommen.

Das NRW-Gesundheitsministerium erklärt die Zwei-Meter-Regel damit, dass bei ihrer Festlegung die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz noch bei rund 100 gelegen und dass man eine überregionale „Sogwirkung“ von den ersten offenen Restaurants befürchtet habe. Es werde derzeit geprüft, ob die Regelung bei der aktuell positiven Inzidenzentwicklung angepasst werden könne, so das Ministerium.