„Ö Ö“: Ausstellung zeigt Joseph Beuys „Von der Sprache aus

Von dpa

Berlin - In allen Varianten schallt „Ö Ö, Ö Ö“ durch Berlins Museum Hamburger Bahnhof, ein paar Meter weiter sind die nicht weniger bekannten Aufnahmen mit endlos scheinendem „Ja Ja Ja Nee Nee Nee“ zu hören. Mit „Von der Sprache aus - Joseph Beuys zum 100. Geburtstag“ konzentriert sich das Museum für Gegenwartskunst im Beuys-Jahr voller Ausstellungen zu einem der wichtigsten deutschsprachigen Künstler des 20. Jahrhunderts auf die Bedeutung von Lauten, Worten, Wörtern, Begriffen, Texten für seine Arbeiten. Die Ausstellung ist von Sonntag an bis zum 19. September zu sehen - und zu hören.

„Beuys begreift Sprache plastisch. Als etwas, das sich in den Raum formt“, sagte Kuratorin Nina Schallenberg am Donnerstag in Berlin. Entsprechend steht Beuys' Vortrag zu „Reden über das eigene Land: Deutschland“ von 1985 am Beginn der Ausstellung. Darin erläutert er, wie sich sein Kunstbegriff von der Sprache entwickelt. Die Ausstellung verdeutlich den Prozess von Tondokumenten zu Skulpturen, Installationen, Filmen oder Plakaten anhand von etwa 165 Arbeiten. So erschließt sich in der „Ausstellung auch für Beuys-Einsteiger“ das scheinbar komplizierte Werk auch Sicht Schallenbergs „sehr plastisch, sehr verständlich, nicht so verkopft“.

Bereits anhand früher Exemplare der rund 450 Zeichnungen im Obergeschoss der Ausstellung zeigt sich Beuys' Interesse für die Formung von Sprache. Eine Zeichnung von 1949 analysiert die Entwicklung der Stimme. Beuys definiert Laute als ersten Prozess des Selbstbewusstseins, mit dem sich die Stellung des Individuums in seiner Umgebung und der Welt formt. Sprache gibt dem Denken auch des Künstlers eine erste Form, die sich dann in seinen physischen Arbeiten weiterentwickelt.

Dieser Zugang von der Sprache her erlaubt einen neuen Blick etwa auf die Basaltbrocken von „Das Ende des 20. Jahrhundert“ (1982/83), den „Filzanzug“ von 1970, die Schultafeln der riesigen Installation „Richtkräfte einer neuen Gesellschaft (1974-1979) oder der nicht minder imposanten Fett-Arbeit „Unschlitt/Tallow“ (1977).