Behindertensport

Paralympics: Wandschneider „als vierfacher Opa nach Paris“

Von dpa 03.09.2021, 07:52 • Aktualisiert: 05.09.2021, 07:25

Tokio - Nach dem unglücklichen Vorrunden-Aus bei seiner in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Paralympics-Premiere schaut Badmintonspieler Thomas Wandschneider schon nach vorne. „Ich bin enttäuscht, weil ich eigentlich der erste Deutsche sein wollte, der bei Olympia oder Paralympics eine Medaille holt“, sagt der 57-Jährige: „Aber es war wunderschön. Ich war als zweifacher Opa in Tokio. Vielleicht gehe ich 2024 als drei- oder vierfacher Opa nach Paris.“

Wandschneider, der Ferienhäuser vermietet und das halbe Jahr in Spanien wohnt, sitzt seit einem Autounfall 2000 im Rollstuhl. „Ein Müllwagen raste mir an einer roten Ampel ungebremst drauf“, erzählt er: „Bei der Untersuchung meines Querschnitts in der Halswirbelsäule wurde dort ein Tumor festgestellt. Man gab mir eine Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren.“ Noch heute lebt er mit dem Tumor. „Er ist gutartig“, sagt Wandschneider: „Er kann jederzeit ausbrechen. Aber es haben Leute auch 40 Jahre damit gelebt.“

Mit vier WM- und 14 EM-Titeln war er Europas dominierender Spieler in seiner Klasse. Doch Badminton ist erst jetzt paralympisch. „Ein Trainer sagte mir: Wir beide gehen zusammen nach Tokio“, sagt Wandschneider: „Er wurde krank, jetzt bin ich alleine hier.“

Und es fühle sich auch in anderer Hinsicht komisch an. Er habe nach dem Unfall viele Jahre prozessiert. „Ich bin für Deutschland angetreten, obwohl sie mich andererseits so vor Gericht gequält haben“, sagt er: „Aber ich bin trotzdem stolzer Deutscher.“

Durch 20 Jahre intensiven Sport habe er auch viel Mobilität und damit Lebensqualität zurückgewonnen. Und in Tokio „zeigen können, was ich kann“. Gegen den topgesetzten Südkoreaner Dong Seop Lee verlor er mit 17:21 im dritten Satz. „Aber ich bin auf den Geschmack gekommen“, sagt der Niedersachse: „Wenn mein Körper mitmacht und ich die finanziellen Rahmenbedingungen habe, wäre ich gerne in Paris dabei.“