Piwarz: Corona als Innovationsschub für Schulen

Für tausende Schüler beginnen nun die langersehnten Sommerferien. Unterdessen laufen schon die Vorbereitungen für den Herbst - und eine mögliche vierte Welle. Durch die Corona-Krise, glaubt Kultusminister Piwarz, wird sich einiges an den Schulen ändern.

Von dpa
Die Klassenlehrerin hält das Zeugnis eines Schülers in der Hand.
Die Klassenlehrerin hält das Zeugnis eines Schülers in der Hand. David Inderlied/dpa

Dresden - Sachsens Kultusminister Christian Piwarz sieht in der Corona-Krise die Chance auf einen Innovationsschub an den Schulen. „Die Impulse, die Corona liefert, dürfen wir nicht hinten anstellen und nach der Krise einfach so weitermachen wie vorher“, betonte der CDU-Politiker. Piwarz geht davon aus, dass Corona auch „Schwung in die Diskussion“ bringt, welche Inhalte ein modernes Bildungssystem heutzutage haben muss. Zum einen gehe es um Lehrpläne, aber auch um die Frage, wie das Wissen generell vermittelt wird.

„Wir haben Fortschritte gemacht beim digitalen Lehren und Lernen, wenngleich wir auch die Probleme deutlich aufgezeigt bekommen haben“, erklärte der Minister. Bei Lehrern gebe es unterschiedliche Stufen der Erfahrung mit der Wissensvermittlung via Internet. Im Sommer 2020 habe man ein umfangreiches Fortbildungsprogramm erarbeitet und in diesem Jahr erweitert. „Das wurde auch gut angenommen.“

Die Digitalisierung bietet noch mehr als bisher die Möglichkeit, außerschulische Lernorte zu entdecken. Mit entsprechender Ausstattung und pädagogischer Vorbereitung sei auch begleitetes Lernen zu Hause möglich. „Etwas, das vorher kaum denkbar war - und eine Möglichkeit, die künftig gerade bei größeren Klassen stärker genutzt werden kann.“

Eine Bilanz zur Pandemie lasse sich bisher nicht ziehen. „Wir sind immer noch mittendrin.“ Für den Herbst gibt sich der Kultusminister zuversichtlich. „Wir haben im Umgang mit der Pandemie mehr Sicherheit gewonnen im Vergleich zum vergangenen Jahr.“ Sachsen sei das erste Bundesland gewesen, dass Lehrer auf freiwilliger Basis testete und auch bei Schülertests vorn lag. Mittlerweile gebe es einen „Instrumentenkasten“, auf den man im neuen Schuljahr zurückgreifen könne. Im vergangenen Jahr hatten die Opposition im Landtag und der Landeselternrat der Regierung vorgeworfen, im Sommer die Vorbereitung auf eine neue Corona-Welle verschlafen zu haben.

Für den Start nach den Sommerferien am 6. September sieht Piwarz Sachsen gerüstet. Der bisherige Plan: Kinder zu Beginn mindestens zweimal pro Woche zu testen, ebenso das Schulpersonal. Kinder und Jugendliche müssen sich zum Schulstart zudem darauf einstellen, wieder Maske im Schulhaus und im Unterricht zu tragen. Piwarz sprach von „wirkungsvollen Maßnahmen“, um den Schulbetrieb sicher zu machen. Zugleich forderte er konsequentes Handeln auch in anderen Bereichen der Gesellschaft - in der Freizeit, bei der Rückkehr aus dem Urlaub und am Arbeitsplatz. „Der beste Plan nutzt nichts, wenn in anderen Bereichen nicht ähnlich konsequent vorgegangen wird.“

Von einer Corona-Generation an den Schulen will Piwarz nicht sprechen. „Jede Generation macht in dieser schweren Zeit etwas durch.“ Wenn Kinder für lange Zeit aus ihrem normalen Alltag gerissen würden, habe das aber gravierende Folgen. „Für das kommende Schuljahr gilt daher die klare Erwartung, dass der Schulbetrieb unbedingt und ohne Diskussionen funktionieren muss“. Von der Bundespolitik forderte er einen „unverstellten Blick“ auf das Infektionsgeschehen an Schulen und eine Vermeidung von Hysterie. Sachsen hatte Schulen und Kitas auch während der dritten Corona-Welle im vergangenen Winter mit Einschränkungen offen gelassen, war aber durch die Bundes-Notbremse zu Schließungen gezwungen. Das hatte Piwarz wiederholt kritisiert.

Selbst bei bester digitaler Ausstattung und Unterrichtsgestaltung sei der Präsenzunterricht durch nichts zu ersetzen, erklärte der CDU-Politiker. Schule sei mehr als der reine Unterricht.

Selten habe sein Ministerium so viele Mails wie in den vergangenen Monaten bekommen - sowohl von Befürwortern als auch Gegnern der Maßnahmen, räumt Piwarz ein. „Das zeigt auch die tiefe Zerrissenheit der Gesellschaft in der Pandemie“. Als die Schulen bis in den Herbst offen waren, hätten sich die Forderungen nach Schulschließungen gehäuft. Und als die Einrichtungen geschlossen waren, hätten viele auf eine Öffnung gedrängt. Zudem habe es viele Beschwerden darüber gegeben, was in der häuslichen Lernzeit oder bei der technischen Ausstattung nicht gut lief. Das hätten die Eltern sehr „offen und schonungslos“ herangetragen.

Bislang können Eltern in Sachen selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder wieder in die Schule schicken. Die Besuchspflicht ist nach wie vor aufgehoben. Laut Piwarz machen davon nur wenige Eltern Gebrauch - etwa 4000 Schülerinnen und Schüler hätten zuletzt zu Hause gelernt. Insgesamt gibt es in Sachsen rund 470.000 Schüler.