„Pürzelprämie“ wirkt: Jäger schossen mehr Wildschweine

Die Angst vor der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest ist groß in Mecklenburg-Vorpommern. Die Dezimierung der Wildschwein-Bestände ist eine der Präventionsmaßnahmen. Ein finanzieller Anreiz sorgt mit dafür, dass die Abschusszahlen hoch bleiben.

Von dpa 03.07.2021, 08:42
Wildschweine sind in der Nähe von Glaisin nach einer Treibjagd als Strecke ausgelegt.
Wildschweine sind in der Nähe von Glaisin nach einer Treibjagd als Strecke ausgelegt. Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Schwerin - Die Jäger in Mecklenburg-Vorpommern haben im Jagdjahr 2020/21 so viele Wildschweine erlegt wie nie zuvor. Nach Angaben des Agrarministeriums brachten sie 106.803 Schwarzkittel zur Strecke und damit noch einmal 10.000 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019/2020.

„Die hohen Streckenergebnisse in den zurückliegenden Jahren sind auf jeden Fall im Zusammenhang mit der Vorbeugung der Afrikanischen Schweinepest zu sehen. Wir haben die Jäger aufgefordert, verstärkt Schwarzwild zu bejagen, um einer möglichen Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken“, sagte Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD). Die Jägerschaft habe damit einen wichtigen Beitrag geleistet, das Land von dieser für Menschen zwar ungefährlichen, für Wild- wie Hausschweine aber tödlichen Krankheit frei zu halten.

Mecklenburg-Vorpommern habe mit der sogenannten Pürzelprämie auch finanzielle Anreize für die Dezimierung der noch immer recht großen Wildschweinbestände gesetzt. Mit der Einführung der Prämie 2017/18 hätten sich die Abschusszahlen jährlich erhöht, aktuell um 76 Prozent gegenüber 2016/2017.

Die zeitaufwendige Jagd auf das Schwarzwild sei möglicherweise Ursache für einen leichten Rückgang bei der Rehwildstrecke, sagte der Minister. Es seien 59.900 Rehe erlegt worden, 2100 weniger als im Vorjahr. Die Jagdstrecke beim Rotwild belaufe sich auf knapp 8000 und beim Damwild auf fast 13.000 Tiere. Beides liege über dem zehnjährigen Mittelwert. Beim Raubwild wirkten sich laut Backhaus die Krankheitsverläufe von Räude, Staupe und Parvovirose in den Jahren von 2009 bis 2012 deutlich aus. Die Ergebnisse seien inzwischen wieder deutlich gestiegen. So wurden rund 22.00 Füchse, etwa 7000 Marderhunde und knapp 21.000 Waschbären erlegt.

Die nach wie vor geringen Bestände an Feldhasen machten sich erneut auch bei den Jagdstrecken bemerkbar. So wurden lediglich 1100 Tiere erlegt. Dazu kamen 83 Wildkaninchen.

Nach Aufnahme des Nandus in das Jagdrecht wurden im Jagdjahr 2020/2021 erstmals 152 Küken und Jährlinge sowie 29 erwachsene Nandus erlegt. Der Landkreis Nordwestmecklenburg ist bundesweit das einzige Verbreitungsgebiet des in Lateinamerika beheimateten Laufvogels. Vor Jahren waren einige Tiere aus einem Zuchtgehege entkommen und hatten sich in freier Wildbahn vermehrt.