Agrar

Regen verzögert Ernte: Erträge nur durchschnittlich

Die Wetterkapriolen mit viel Regen im Hochsommer zeigen Spuren in der Erntebilanz in Thüringen. Auch wenn es bislang kein tolles Jahr für die Bauern war, haben sie zumindest die Chance, mehr zu verdienen als 2020.

Von dpa 02.09.2021, 15:20 • Aktualisiert: 02.09.2021, 15:26
Genossenschaftschef Wiegand (l-r), Landwirtschaftsminister Hoff und Bauernverbandspräsident Wagner.
Genossenschaftschef Wiegand (l-r), Landwirtschaftsminister Hoff und Bauernverbandspräsident Wagner. Karina Hessland/KH/dpa

Straußfurt - Die Hoffnung der Thüringer Bauern auf eine überdurchschnittliche Ernte nach drei trockenen Jahren hat sich 2021 nicht erfüllt. Die Erträge seien bei großen regionalen Unterschieden wegen der starken Niederschläge im Sommer nur durchschnittlich. Das sagte der scheidende Agrarminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) am Donnerstag bei der Vorlage der vorläufigen Erntebilanz in der Agrargenossenschaft Straußfurt (Kreis Sömmerda).

Noch ist die Ernte laut Bauernverband nicht abgeschlossen. Vor allem in Süd- und Westthüringen seien noch Weizen und Raps einzubringen. Auch in Teilen Nordthüringens seien noch Erntemaschinen unterwegs.

„Wir haben 2021 eine gemischte Bilanz. Der Druck auf die Betriebe, die in den Dürrejahren vielfach ihre Reserven angegriffen haben, ist noch nicht verschwunden“, sagte Hoff. Positiv wertete er gestiegene Marktpreise und eine gute Futterernte. „Es können wieder Futterreserven zur Versorgung der Tierbestände angelegt werden.“

Positiv bewertete der Bauernverband die Entwicklung der Erzeugerpreise für Getreide und Raps. Höhere Preise würden helfen, „um Löcher zu stopfen, die die vergangenen Jahre gerissen haben“, sagte Bauernverbandspräsident Klaus Wagner. Pro Tonne Raps würden bis zu 500 Euro gezahlt - im Vorjahr seien es nur 350 Euro gewesen.

Die Getreideernte werde nach den Prognosen etwa 30.000 Tonnen höher ausfallen als 2020, aber 1,8 Prozent unter dem langjährigen Mittel liegen. Wegen der Niederschläge und weniger Sonnentagen seien die Körner allerdings kleiner als sonst. Dadurch gebe es Qualitätsabschläge. Weizen und Gerste hätten jedoch eine gute Back- oder Brauqualität.

Insgesamt wurde in Thüringen in diesem Jahr auf 344.562 Hektar Getreide angebaut. Es dominierte Winterweizen mit rund 201.000 Hektar. Hafer machte dagegen nur knapp 7000 Hektar aus.

Nach Angaben von Hoff unterstützt das Land derzeit Obstbauern und Winzer mit 1,2 Millionen Euro, um Frostschäden im vergangenen Jahr auszugleichen. Eine finanzielle Unterstützung gehe an elf Obst- und Weinproduzenten im Freistaat. Unter anderem die Fahner Höhen nördlich von Erfurt sind als Obstanbaugebiet in Thüringen bekannt; bei Wein ist es vor allem die Region um Bad Sulza im Weimarer Land.

2021 falle die Obsternte im Freistaat sehr unterschiedlich aus, sagte Hoff. Bei Erdbeeren würde das langjährige Mittel von 91 Dezitonnen pro Hektar erreicht. Die Ernte der roten Früchte sei damit deutlich besser ausgefallen als 2020 mit nur 55,5 Dezitonnen pro Hektar.

Während mehr Kirschen geerntet wurden als im Vorjahr, könnte die Apfelernte durch kühle und feuchte Witterung bei der Bülte unterdurchschnittlich ausfallen, so der Minister. Beim Wein gebe es größere Schäden und abgestorbene Rebstöcke durch den starken Frost im Frühjahr. Das sorge für einen vergleichsweise späten Erntebeginn in diesem Jahr.

Hoff wird sich künftig auf seine Aufgabe als Minister in der Staatskanzlei und auf den Kulturbereich konzentrieren. Er hatte das Amt als Landwirtschaftsminister nur geschäftsführend übernommen. Als neue Ministerin wurde von Regierungschef Bodo Ramelow die bisherige Staatssekretärin Susanna Karawanskij (beide Linke) berufen, die nach ihrer Vereidigung im Landtag voraussichtlich in der kommenden Woche das Amt antritt.