Verkehr

Sachsen will zentrale Verkehrsprojekte mit Bund voranbringen

Bei den Verhandlungen zum Kohle-Kompromiss sind einige zentrale Strukturwandel-Projekte im Freistaat auf der Strecke geblieben. Nun gibt eine Absichtserklärung neue Hoffnung.

Von dpa 23.09.2021, 18:06 • Aktualisiert: 25.09.2021, 09:03
Andreas Scheuer (CSU), Bundesverkehrsminister in Sachsen.
Andreas Scheuer (CSU), Bundesverkehrsminister in Sachsen. Matthias Balk/dpa

Dresden - Hoffnung für den Ausbau der A4 und andere Vorhaben: Bund und Land wollen zentrale Verkehrs- und Schienenprojekte in Sachsen weiter voranbringen. Am Donnerstag unterzeichneten Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine entsprechende Absichtserklärung.

Scheuer war per Video zugeschaltet. Insgesamt geht es um vier Verkehrsprojekte, für die sich über das weitere Vorgehen und die Planung verständigt wurde - etwa um die Elektrifizierung der Bahnstrecke Dresden-Görlitz, den Ausbau der A4 in Richtung polnische Grenze sowie den B2-Tunnel am Agrapark Markkleeberg.

Die Projekte waren bei den Verhandlungen mit der Bundesregierung über zentrale Strukturwandel-Projekte in den Kohleregionen gestrichen worden. Das hatte Kritik hervorgerufen. Scheuer sprach am Donnerstag von einer „Nacharbeit“ des Kohle-Kompromisses und zeigte sich optimistisch, dass die Projekte umgesetzt werden können - auch nach der Bundestagswahl.

„Aus den Bundesmitteln für Strukturwandel können nicht alle für Sachsen wichtigen Verkehrsprojekte finanziert werden“, erklärte Kretschmer. Deshalb habe es in den vergangenen Wochen „intensive Gespräche“ mit dem Bund gegeben. Kurzfristig habe man sich nun auf Realisierungswege für bedeutende Verkehrsvorhaben verständigen können, so Kretschmer.

Am Ende steht eine achtseitige Absichtserklärung - eine zentrale Rolle spielt die Elektrifizierung der Strecke Dresden-Görlitz und die Schienenverbindung Berlin-Görlitz. Durch einen anderen Zuschnitt und Verschiebung von Kosten sollen beide Vorhaben realisiert werden können. So soll etwa zeitnah die Planung für den Abschnitt Dresden-Bischofswerda starten, um ab 2028 mit dem Bau beginnen zu können. Die Finanzierung soll nun über das sogenannte Gemeindefinanzierungsgesetz (GVFG) folgen und von Sachsen mitfinanziert werden. Allein die Kosten für den Westabschnitt belaufen sich Schätzungen zufolge auf rund 300 Millionen Euro - das Land müsste rund 30 Millionen Euro zuschießen.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) begrüßte, dass mit den Plänen der Hauptbahnhof Görlitz umgebaut werden könnte und in diesem Zug der polnische Bahnstrom von der Grenze bis zum Görlitzer Bahnhof umgesetzt werden könnte. Das ist die Voraussetzung für grenzübergreifenden Schienenverkehr. Gleichzeitig appellierte Dulig mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl, dass die Absichtserklärung über den Wahltag hinausgehen müsse. Sowohl im Bund als auch im Land müssten nun entsprechende Vorbereitungen zur Finanzierung und Planung getroffen werden.

Der Lausitzer Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk (SPD) bezeichnete die Erklärung als „Schritt in die richtige Richtung.“ Nun gebe es eine Perspektive für die Finanzierung der Strecke Dresden-Görlitz mit Bundesmitteln. Auch der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) lobte die Pläne: Die Verkehrsprojekte im Dreiländereck seien „unabhängig vom Strukturwandel von existenzieller Bedeutung für unsere Region“.