Scholz warnt vor zu viel Euphorie: „Ganz leise sein“

Von dpa
Olaf Scholz (SPD) spricht bei einer Wahlkampfkundgebung im Bezirk Mitte.
Olaf Scholz (SPD) spricht bei einer Wahlkampfkundgebung im Bezirk Mitte. Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin - Der SPD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Olaf Scholz, hat angesichts steigender Umfragewerte für seine Partei vor zu früher Euphorie gewarnt. „Wahltag ist am 26. September. Und deshalb bitte ich alle, ganz leise zu sein und dafür zu sorgen, dass man die Zeit nutzt, mit vielen zu sprechen und die Bürgerinnen und Bürger zu überzeugen“, sagte Scholz am Freitag bei einer Wahlkampf-Kundgebung auf dem Berliner Bebelplatz. „Wir haben noch ein paar Wochen vor uns, die wollen wir nutzen.“

Vizekanzler Scholz, der im weißen Hemd mit offenem Kragen und ohne Jackett auftrat, zeigte sich gleichzeitig aber erfreut: „Es ist schön, wie sich die Umfragen entwickeln. Es ist berührend, zu sehen, wie viele Bürgerinnen und Bürger mir zutrauen, der nächste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu sein. Das ist ein schweres Amt. Und wenn so viele sagen, Du kannst das, ist das ein sehr bewegender Moment, auch für mich.“

Auch nach dem Ende des Evakuierungseinsatzes der Bundeswehr versprach Scholz weitere Bemühungen um Schutz für bedrohte Menschen in Afghanistan. Angehörige von Hilfsorganisationen und unter anderem Menschen, die wegen ihres politischen Engagements unmittelbar bedroht seien, bräuchten Schutz, sagte er. „Wir werden nicht aufhören, ihnen eine sichere Ausreise zu erkämpfen.“ Zudem müsse sichergestellt werden, dass jene eine sichere Perspektive haben, die in die Nachbarländer Afghanistans geflohen seien. Scholz sagte: „Es ist bitter, was jetzt in Afghanistan geschieht.“ Am Donnerstag waren bei zwei Bombenexplosionen am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul Dutzende Menschen getötet worden.

Nach seiner Rede sprach Scholz noch einige Minuten mit einer kleinen Gruppe Menschen, die mit einer Flagge Afghanistans und Plakaten unter den Zuhörern standen. Ein Mann zeigte ein Pappschild mit der Aufschrift: „Ich habe neun Jahre für die Bundeswehr ISAF in Afghanistan gearbeitet.“ Auf anderen Schildern stand: „Bitte rettet meinen Sohn. Afghanistan ist nicht sicher“ und: „Lasst meine Frau und Familie nicht im Stich“.

Zuvor hatte die SPD-Spitzenkandidatin für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Franziska Giffey, von den fünf Bs für Berlin gesprochen: „Bauen, Bildung, beste Wirtschaft, bürgernahe Verwaltung und Berlin in Sicherheit“. Sie forderte alle Bürger zum Wählen und Kampf für die Demokratie auf. „Ich bin jemand, der einen ostdeutschen Migrationshintergrund hat.“ Freiheit und Demokratie seien „nicht gottgegeben“. Etwa 1500 Zuschauer verfolgten laut Polizei die erste gemeinsame Wahlkampfkundgebung von Scholz und seiner Kabinettskollegin Giffey.