Sinkende Impfzahlen in MV: Mehr Impfaktionen in der Fläche

Langes Warten auf eine Corona-Schutzimpfung gehört auch in Mecklenburg-Vorpommern der Vergangenheit an. Der Impfstoff ist nach Angaben der Landesregierung unterdessen in ausreichenden Mengen vorhanden. Doch nun fehlt es offenbar an Impfwilligen.

Von dpa
Ein Mann steht am Covid-19 Impfcenter hinter einer Bodenmarkierung mit der Aufschrift "Impfen" und einer Spritze.
Ein Mann steht am Covid-19 Impfcenter hinter einer Bodenmarkierung mit der Aufschrift "Impfen" und einer Spritze. Arne Dedert/dpa/POOL/dpa/Symbolbild

Schwerin - Die nachlassende Corona-Impfbereitschaft bekommen in Mecklenburg-Vorpommern Impfzentren und Hausärzte gleichermaßen zu spüren. Die Nachfrage nach Impfterminen sei deutlich gesunken, vereinbarte Termine würden nicht wahrgenommen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Schwerin. Daher organisierten Landkreise und kreisfreie Städte eine Vielzahl von niedrigschwelligen Impfaktionen in der Fläche, um so möglichst viele Menschen zu erreichen.

Diese Aktionen mit Impfungen ohne vorherige Anmeldung bereiten den Hausärzten aber zunehmend Probleme. „Der Ansatz, an vielen Orten zu impfen, ist richtig. Aber er bedeutet für die Impfzentren großen Aufwand und er bringt die Terminplanungen in unseren Arztpraxen durcheinander“, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Stefan Zutz, denn: Patienten würden solche Impfaktionen spontan nutzen und Termine beim Hausarzt verfallen lassen. „In der Konsequenz müssen wir ungenutzten Impfstoff verwerfen“, sagte Zutz. In welchem Umfang dies geschehe, konnte er nicht sagen.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sinkt die Zahl der täglich verabreichten Impfdosen in Deutschland trotz ausreichend vorhandenen Impfstoffs spürbar. Am Dienstag wurden beispielsweise 572.482 Dosen gespritzt, Anfang Juni war mit 1,5 Millionen verabreichten Dosen ein Höchstwert registriert worden. Für Mecklenburg-Vorpommern meldete das Landesamt für Gesundheit und Soziales am Mittwoch 9130 Impfungen. Anfang Juli waren es noch 15.600 pro Tag.

Die Impfzentren und das Callcenter versuchten, möglichst viele Termine am Tag auch kurzfristig zu vergeben, beispielsweise über Nachrücklisten, hieß es aus dem Ministerium. Obwohl die Inanspruchnahme der Impfzentren geringer wird, hatte die Landesregierung beschlossen, diese bis in den Herbst hinein offen zu halten. Zunächst waren sie nur bis Ende September eingeplant.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums lagerten Ende vergangener Woche in den Kühlschränken der Städte und Gemeinden im Nordosten rund 62 900 Impfdosen. In dieser Woche sollen 42 750 Dosen geliefert werden, nächste Woche 48 600. Wie die Ministeriumssprecherin sagte, sind in Mecklenburg-Vorpommern noch keine Impfdosen aufgrund überschrittener Verfallsdaten unbrauchbar geworden.

Seit Beginn der Corona-Schutzimpfungen haben laut Robert Koch-Institut im Nordosten rund 943.500 Menschen mindestens die erste Impfung erhalten. 773.500 Menschen gelten als vollständig geimpft, das entspricht 48,1 Prozent der Bevölkerung. Fachleute halten eine Impfquote von über 80 Prozent für erforderlich, um die Pandemie wirksam eindämmen zu können.