Sonderermittlerin kritisiert Führungskultur bei Feuerwehr

Von dpa 04.06.2021, 15:17
Ein Schrank mit Jacken und Helmen einer Freiwilligen Feuerwehr.
Ein Schrank mit Jacken und Helmen einer Freiwilligen Feuerwehr. Bernd Wüstneck/zb/dpa/Symbolbild

Bremen - Eine Sonderermittlerin hat der Bremer Feuerwehr in ihrem Untersuchungsbericht über rassistische und rechtsextremistische Online-Chats rückblickend eklatante Führungsmängel attestiert. Die männliche, hierarchische, traditionsverbundene und veränderungsresistente Organisationskultur erschwere die Integration von Personen mit abweichenden Merkmalen wie Frauen, Migranten und Homosexuelle, bilanzierte die ehemalige Präsidentin des Oberlandesgerichtes, Karen Buse, in ihrem Abschlussbericht.

„Diese für alle Berufsfeuerwehren in Deutschland zutreffende Beschreibung trifft bei der Feuerwehr Bremen auf die Besonderheit einer rückständigen, autoritären, und angstbesetzten Führungskultur“, hieß es in dem 41-seitigen Bericht, der am Freitag auf der Internetseite der Innenbehörde vorgestellt wurde. Ende November 2020 waren Vorwürfe bekannt geworden, dass Mitglieder einer Wachabteilung jahrelang in Chats rechtsextremistische und rassistische Inhalte geteilt hatten. Es ging aber nach Behördenangaben auch um frauenfeindliche und sexistische Vorfälle sowie Mobbing.

Buse war von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt worden. Inzwischen wurden drei Disziplinarverfahren gegen Mitarbeiter der Feuerwehr eingeleitet und Geldbußen ausgesprochen. Seit 1. April 2021 ist Philipp Heßemer neuer Leiter der Feuerwehr Bremen. Am 9. Juni 2021 wird der Bericht in einer Sondersitzung der Innendeputation vorgestellt. Die Feuerwehr Bremen hat insgesamt 1600 Mitglieder, davon rund 610 hauptberufliche Feuerwehrleute.