Soziologin: Mafia hat vom Wiederaufbau profitiert

Von dpa 20.07.2021, 12:53
Mikrofone stehen auf dem Tisch vor Beginn der ersten Sitzung des Untersuchungsausschusses "Mafia" des Thüringer Landtags.
Mikrofone stehen auf dem Tisch vor Beginn der ersten Sitzung des Untersuchungsausschusses "Mafia" des Thüringer Landtags. Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Erfurt - Die italienische Mafia-Organisation 'Ndrangheta hat nach Einschätzung einer Wissenschaftlerin vom ostdeutschen Wiederaufbau profitiert - und wird bis heute unterschätzt. Zwar habe sie keine Beweise dafür gefunden, dass die 'Ndrangheta unmittelbar nach der Wende in die neuen Bundesländer gekommen und dabei im Zuge der damaligen Privatisierung Unternehmen im großen Stil aufgekauft hat, sagte die Soziologin Zora Hauser am Dienstag in Erfurt vor dem Mafia-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages.

Allerdings habe die Mafia ab Mitte der 1990er Jahre verstärkt im Osten investiert, als die dortige Wirtschaft nach dem Ende der DDR wieder aufgebaut worden sei. Dieser Trend habe sich nach dem Jahr 2000 verstärkt. Hauser forscht seit vier Jahren an der Universität Oxford zur Ausbreitung der Mafia in Deutschland.

Ihr zufolge wird noch immer in Deutschland unterschätzt, welche Gefahr von der 'Ndrangheta ausgeht. Ein Grund dafür sei, dass diese Mafia-Organisation in der Bundesrepublik versuche, unter dem Radar der Behörden zu agieren - soweit wie möglich gewaltlos, aber dennoch kriminell. Das geschehe oft erfolgreich.