SPD fordert stärkeren Fokus auf Förderzentren im Land

Lehrermangel an den Förderzentren im Norden: Landesweit sind 110 Stellen unbesetzt. An keiner anderen Schulform gebe es so große Probleme, warnt SPD-Politiker Habersaat. Ganz im Gegensatz zu einer anderen Schulart.

Von dpa 08.06.2021, 07:03
Ein Mund-Nasen-Schutz liegt auf dem Tisch einer Schülerin.
Ein Mund-Nasen-Schutz liegt auf dem Tisch einer Schülerin. Uli Deck/dpa/Symbolbild

Kiel - An den Förderzentren in Schleswig-Holstein fehlen in großer Zahl Fachkräfte. Wie aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der SPD hervorgeht, sind im laufenden Schuljahr insgesamt mehr als 110 Stellen unbesetzt geblieben. „An keiner anderen Schulform gibt es so große Probleme, zur Verfügung stehende Stellen zu besetzen“, sagte SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat der Deutschen Presse-Agentur.

Laut Landesregierung waren im laufenden Schuljahr nur 2345 der 2455 Planstellen für Sonderpädagogen und Erzieher besetzt. Es lohne jedoch ein genauerer Blick auf die besetzten Stellen, sagte Habersaat. „Mehr als 5 Prozent der Stunden wurden durch Personen ohne jede Lehrerausbildung unterrichtet, 8,5 Prozent aller Stunden von Personen ohne 2. Staatsprüfung.“ Mehr als elf Stellen waren mit pensionierten Lehrern besetzt.

Habersaat forderte, das Leitbild der inklusiven Schule weiter zu verfolgen. „Wenn die Landesregierung an den Förderzentren nur 95,2 Prozent der überhaupt zur Verfügung stehenden Stellen besetzt, an den Gymnasien aber 107,9 Prozent, dann zeigt sich, dass Jamaika die Schwerpunkte leider nicht zugunsten derer setzt, die eine besondere Unterstützung bräuchten.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach von landesweiten Problemen. „Ausgebildete Lehrkräfte fehlen an allen Ecken und Kanten“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. In Kreisen wie Dithmarschen oder Herzogtum Lauenburg seien 20 Prozent der Stellen nicht regulär besetzt. „Unter diesen Umständen kann von einer gesicherten sonderpädagogischen Förderung keine Rede mehr sein.“

Dabei bräuchten gerade Kinder mit besonderem Förderbedarf hoch qualifizierte Lehrer, sagte Henke. „Wir haben den Eindruck, dass Kinder mit Förderbedarf über keine starke Lobby verfügen.“ Die Landesregierung müsse mehr tun, um Sonderschullehrer für Schleswig-Holstein zu gewinnen oder zu qualifizieren.