„Tatort“-Ausstellung in Leipzig: „Mord zur besten Sendezeit“

Von dpa

Leipzig - Auf dem Boden eine Blutlache, ein ungelöster Kriminalfall, im Hintergrund läuft die charakteristische „Tatort“-Titelmusik: Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig zeigt ab Freitag (11.6. bis 16.1) eine Ausstellung unter dem Titel „Tatort. Mord zur besten Sendezeit“. Gleich am Eingang wird der Besucher in eine Szenerie hineingezogen, wie sie von vielen Sonntagabenden allzu vertraut ist. „Wir freuen uns, dass wir dieses Thema nach Leipzig holen konnten, denn die allererste "Tatort"-Folge trug den Titel "Taxi nach Leipzig" und damit hatte die Reihe am 29. November 1970 ihre TV-Premerie“, sagte Direktorin Uta Bretschneider am Donnerstag.

Die Ausstellung betrachtet die Fernsehreihe „Tatort“ als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse und stellt ihr die Darstellung von Alltag und Kriminalität in der Reihe „Polizeiruf 110“ des DDR-Fernsehens gegenüber. Dabei folgt der Rundgang der Dramaturgie des Kriminalfilms: Ein Fall ist zu lösen, die Polizei nimmt Ermittlungen auf, die - unterstützt durch Spezialisten in ihren Labors - zur Überführung und Verhaftung des Täters oder der Täterin führen. Der Besucher taucht dabei selbst in die Rolle eines Kommissars ein, bei dem er ein Rätsel lösen muss.

Die Macher der Ausstellung haben viele Original-Requisiten aus 50 Jahren Krimi-Geschichte zusammengetragen. Die Jacke von Ermittler Schimanski, der Tisch der Münchner Kommissare Leitmayr und Batic oder auch der Arztkittel des Rechtsmediziners Boerne sind nur einige der mehr als 500 Objekte.

Dabei geht das Zeitgeschichtliche Forum auch Fragen auf den Grund, warum rund neun Millionen Menschen am Sonntagabend die Krimireihe schauen. Wie realistisch sind die inszenierten Fälle, die Untersuchungen der Ermittler und sind sie Abbild oder Konstruktion gesellschaftlicher Wirklichkeit?

Als Gegenstück zum „Tatort“ fungierte der „Polizeiruf 110“, bei dem sich die Ausstellung auf die alte Krimireihe der DDR vor 1993 beschränkt. Hier spielte die gesellschaftspolitische Wirklichkeit eine kleinere Rolle, das SED-Regime sah nach Angaben des Museums die Krimireihe als Mittel zur Formung der „sozialistischen Gesellschaft“. Die Ausstellung zeigt die unterschiedliche Darstellung von Kriminalität in West- und Ostdeutschland. In Leipzig ist sie bis Januar 2022 zu sehen, danach soll sie in Bonn gezeigt werden.