Technik statt Mensch? Arbeitsagentur stellt Studie vor

Viele Aufgaben im Berufsalltag könnten potenziell von Maschinen übernommen werden. Die Bundesagentur für Arbeit hat dazu eine Studie vorgestellt - Niedersachsen und Bremen zeigen Potenzial.

Von dpa 30.08.2021, 16:46 • Aktualisiert: 01.09.2021, 05:55

Hannover - An jedem dritten Arbeitsplatz in Niedersachsen und Bremen könnten mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten von Computern übernommen werden. Das ergab eine Untersuchung, die die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Montag in Hannover vorgestellt haben.

Die Studie habe die Anteile der Arbeit berechnet, die in einem Beruf durch Computer ersetzt werden könnten. Zwischen 2013 und 2019 seien diese Anteile, auch Substituierbarkeitspotenziale genannt, bundesweit in nahezu allen Berufsbereichen deutlich gestiegen.

Mit 35,4 Prozent in Niedersachsen und 34,7 Prozent in Bremen im Jahr 2019 liege der Anteil der Beschäftigungsverhältnisse, die ein hohes Substituierbarkeitspotenzial von mehr als 70 Prozent aufweisen, insgesamt leicht über dem bundesweiten Durchschnitt (33,9 Prozent). Grund hierfür sei die leicht unterschiedliche Wirtschaftsstruktur. So gebe es in Niedersachsen einen etwas höheren Anteil an Beschäftigten in Produktionsberufen als im bundesweiten Durchschnitt. Das Bundesland Bremen verfüge über einen höheren Anteil an Verkehrs- und Logistikberufen als im Bund.

Die Forscher haben sich auch mit der Frage beschäftigt, was die Ergebnisse für Unternehmen und Beschäftigte bedeuten. „Substituierpotenziale sollten keine Angst machen, sondern aufmerksam machen“, sagte der Autor der Studie, Martin Wrobel. Arbeitnehmer müssten generell bereit sein, sich im Beruf Veränderungen anzupassen. Ein hohes Substituierpotenzial sei generell nicht als schlecht anzusehen, weil dies gleichzeitig ein Wachstumspotenzial in den jeweiligen Berufsfeldern mit sich bringen könne.

„Wer den technologischen Wandel für sich nutzen will, braucht eine durchdachte Strategie, welche die passgenaue Qualifizierung von Beschäftigten in den Mittelpunkt stellt“, sagte der Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit, Johannes Pfeiffer. Das sei für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe entscheidend. Dass viele Tätigkeiten theoretisch ersetzbar wären, heiße jedoch nicht, dass Arbeitgeber sie in jedem Fall und in vollem Umfang ersetzen. Kosten, ethische, rechtliche oder organisatorische Gründe können dagegensprechen.