Tschentscher macht Druck: PCR-Testpflicht für Ungeimpfte

Wenn es nach Hamburgs Bürgermeister Tschentscher geht, sollen Antigen-Schnelltests nicht mehr reichen. Wer mit Geimpften und Genesenen gleichgestellt sein will, muss nach Ansicht des SPD-Politikers künftig einen negativen PCR-Test vorlegen.

Von dpa
Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister von Hamburg.
Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister von Hamburg. Daniel Reinhardt/dpa

Hamburg - Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) macht Druck beim Umgang mit Ungeimpften. Einen Tag vor der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie am Dienstag forderte er, Ungeimpfte künftig nur bei Vorlage eines negativen PCR-Tests mit Geimpften und Genesenen gleichzustellen. „Antigen-Schnelltests sind nicht zuverlässig genug“, sagte der SPD-Politiker der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montag). Außerdem sollte eine Quarantäne nach Reisen in Risikogebiete nur mit einem negativen PCR-Test, nicht aber mit einem Antigen-Schnelltest nach fünf Tagen aufgehoben werden können.

Es werde zudem darauf hinauslaufen, „dass bestimmte Beschränkungen nur für Ungeimpfte gelten“, sagte Tschentscher. Einen weiteren Lockdown für Wirtschaft, Kultur, Bildung und das private Leben könne man so vermeiden. „Wenn der Großteil der Menschen aufgrund einer Impfung nicht mehr gefährdet ist, können wir nicht wieder die gesamte Bevölkerung mit Beschränkungen belegen.“ Sollte das Infektionsgeschehen dieses dennoch erforderlich machen, gebe es zwei Alternativen: „Ein Lockdown für alle, den ich nicht für vertretbar halte, oder eben Beschränkungen für diejenigen, die keine Impfung haben, obwohl diese seit Langem empfohlen wird.“

Tschentscher ist Regierungschef des Landes, das derzeit bundesweit die mit Abstand höchste Sieben-Tage-Inzidenz aufweist. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen in Hamburg bei 54,8, gefolgt vom Nachbarland Schleswig-Holstein mit 42,3. Gemessen am noch strengeren Hamburger Maßstab lag die Sieben-Tage-Inzidenz in der Hansestadt am Montag sogar bei 63,6. Insgesamt zählte die Gesundheitsbehörde zum Wochenstart 172 neu bestätigte Infektionen - 19 mehr als am Vortag und 135 mehr als vor einer Woche.

Laut des Registers der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) wurden am Montagvormittag weiterhin 22 Corona-Fälle in Hamburg intensivmedizinisch behandelt, darunter 10 Menschen, die invasiv beatmet werden mussten. Nach RKI-Angaben wurden einschließlich Sonntag mit gut 972 000 Menschen 52,6 Prozent der Hamburger vollständig geimpft. Eine Erstimpfung haben knapp 1,2 Millionen Hamburger oder 64,9 Prozent bekommen.

„Vor dem Hintergrund steigender Inzidenzen ist es jetzt wichtig, dass die (...) Bund-Länder-Konferenz eine gemeinsame Strategie in der Corona-Pandemie beschließt und damit Planungssicherheit für alle Bürgerinnen und Bürger schafft“, forderte Hamburgs CDU-Fraktionschef Dennis Thering. Es müsse verbindlich geklärt werden, „wie die bisherige Ausrichtung nach der Sieben-Tage-Inzidenz sinnvoll weiterentwickelt werden kann“. Impfen sei der sicherste Weg aus der Pandemie und deshalb müsse es jetzt weitere Anreize zum Impfen geben.

Der Wirtschaftsrat der CDU in Hamburg warf dem rot-grünen Senat eine starre Haltung vor, die dazu führe, dass Veranstalter ihre Events in Hamburg absagten und nach Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Berlin auswichen. „Bestimmte Auflagen für Veranstaltungen, zu denen nur geimpfte, getestete oder genesene Personen („GGG“) zugelassen sind, gelten nur in Hamburg“, sagte der Landesvorsitzende Henneke Lütgerath. Die Konsequenzen seien fatal. „Die Schadens-Bilanz wird hoch sein.“

Der Hamburger Professor für Strömungsmechanik Michael Schlüter rechnet derweil nicht mit einem raschen Ende der Pandemie. „Die Corona-Pandemie werden wir leider weder schnell, noch einfach überwinden“, sagte der Leiter des Instituts für Mehrphasenströmungen an der Technischen Universität Hamburg, der zusammen mit acht weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein Positionspapier vorgelegt hat. Modellierungen sagten voraus, dass eine Kontrolle der Pandemie mit realistischen Impfanteilen allein nicht zu erreichen sei und Maßnahmen für einen nachhaltigen Infektionsschutz auch weiterhin notwendig blieben.