Arbeitsmarkt

Unterbeschäftigung geht zurück: Struktur verändert sich

In der Arbeitslosenstatistik werden in der sogenannten Unterbeschäftigung auch Menschen erfasst, die nicht als arbeitslos gelten. Aus verschiedenen Gründen.

Von dpa 06.09.2021, 06:21 • Aktualisiert: 06.09.2021, 14:03
Ein Schild weist den Weg zu einem Jobcenter.
Ein Schild weist den Weg zu einem Jobcenter. Jan Woitas/zb/dpa/Symbolbild

Erfurt/Halle - In Thüringen sind laut der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit rund 79.800 Menschen von der sogenannten Unterbeschäftigung betroffen. Das waren knapp 100 mehr als im Juli und 11.000 weniger als im Vorjahresmonat. In der Unterbeschäftigung sind zusätzlich zu den rund 60.200 Arbeitslosen (August) rund 19.600 Menschen erfasst, die aus unterschiedlichen Gründen nicht als arbeitslos laut dem Sozialgesetzbuch (SGB) gelten. „Das sind Menschen, die an einer Maßnahme der Arbeitsförderung teilnehmen oder kurzfristig erkrankt sind“, wie ein Sprecher der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit mitteilte.

Die Zahl der Unterbeschäftigung zeige zudem mehr noch als die reine Zahl der Arbeitslosen das Defizit an regulärer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt in einer Volkswirtschaft auf. Das Abflauen der Corona-Krise habe zu weniger Unterbeschäftigung geführt. „Viele Unternehmen stellen wegen des steigenden und häufig auch demografisch bedingten Fachkräftebedarfs wieder ein“, sagte der Sprecher. „Wenn sich die konjunkturelle Erholung fortsetzt, ist mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit und auch einem leichten Rückgang der Unterbeschäftigung im Land zu rechnen.“ Tendenziell werde sich dann auch innerhalb der Unterbeschäftigung eine leichte strukturelle Verschiebung ergeben.

So werde der Anteil der Arbeitslosen weiter sinken. Gleichzeitig werde sich der Anteil der Teilnehmer an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme wieder leicht erhöhen, da nach den Einschränkungen während der Pandemie und mehr Entlassungen künftig auch wieder mehr Menschen für den Arbeitsmarkt aktiviert und weitergebildet werden müssen.

Zudem reduziere die demografische Entwicklung die Zahl der Arbeitslosen, die den Großteil der Menschen in Unterbeschäftigung ausmache. Hintergrund ist, dass angesichts der Bevölkerungsentwicklung in Thüringen mehr Menschen auch aus der Arbeitslosigkeit heraus in den Ruhestand gehen, dafür aber weniger Nachwuchs für den Arbeitsmarkt zur Verfügung steht.

Im Verlauf der Corona-Pandemie sei die Unterbeschäftigung zunächst angestiegen. Grund dafür waren Entlassungen, der Abbruch oder die Verschiebung von arbeitspolitischen Maßnahmen wegen des Lockdowns zur Eindämmung des Infektionsgeschehens, wie der Sprecher erklärte. Die höchste Zahl an Betroffenen in Thüringen in der Unterbeschäftigung gab es den Angaben zufolge im August 2020 mit rund 90.850 Menschen. Zum Vergleich: Im August 2019 waren im Freistaat und damit vor der Pandemie knapp 82.800 Menschen in der Unterbeschäftigung registriert.