Unternehmer erwarten keine große Pleitewelle im Norden

Von dpa 07.07.2021, 09:28
Philipp Murmann, Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände, steht im Raum.
Philipp Murmann, Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände, steht im Raum. Gregor Fischer/dpa

Kiel/Hamburg - Die Unternehmensverbände in Schleswig-Holstein und Hamburg rechnen im Zuge der Corona-Krise nicht mit einer verspäteten Pleitewelle von großem Ausmaß. „Die norddeutsche Wirtschaft ist insgesamt mit einem blauen Auge durch die Pandemie gekommen, wobei es von Branche zu Branche unterschiedlich aussieht“, sagte UVNord-Präsident Philipp Murmann der Deutschen Presse-Agentur. „Hotellerie, Gastronomie, Werften und Luftfahrt sind schon sehr stark betroffen infolge der Regulierungen. Viele andere haben die Krise aber auch gut gemeistert.“ Letztlich seien die Hilfen des Staates ja auch geflossen, wenn auch mit großer Verspätung.

Der mit der Corona-Krise verbundene Zwang zu einer stärkeren Digitalisierung habe in vielen Unternehmen einen Modernisierungsschub bewirkt, sagte Murmann. Der gebürtige Kieler war Anfang Juni zum neuen UVNord-Präsidenten gewählt worden. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete (2009-2017) leitet seit 20 Jahren als Geschäftsführender Gesellschafter das Kieler Familienunternehmen Zöllner Holding, ein Signalanlagen-Spezialist für Schiffe, Bahnen und Industrie.

Die von den Landesregierungen in Kiel und Hamburg angesichts stark gesunkener Corona-Zahlen verfügten Lockerungen sind aus Murmanns Sicht gerechtfertigt und beleben das Geschäft. „Viele Kunden sind aber immer noch vorsichtig, auch wegen der Ausbreitung der Delta-Variante.“ Insofern sei noch keine Normalität erreicht, zumal die Gefahr einer neuen Welle im Herbst bestehe.

Anders als viele Betriebe sei die Verwaltung in der Krise in vielen Bereichen an ihre Grenzen gestoßen, sagte Murmann. „Hier hat vieles nicht so funktioniert, wie wir uns das erhofft hatten - so haben sich Bauanträge verzögert und die Kfz-Anmeldung war teilweise sehr schwierig.“