Verband: Land verantwortlich für Probleme in Kinderklinik

Von dpa

Rostock - Kinderärzte in Mecklenburg-Vorpommern werfen der Landesregierung die Verantwortung für Probleme an der Kinderklinik der Universitätsmedizin Rostock (UMR) vor. „Der Niedergang der Universitätskinderklinik hat ja schon vor vielen Jahren begonnen“, sagte Andreas Michel, Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die Universitätskinderklinik sei nicht mehr arbeitsfähig.

Statt sich nachhaltig um die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Land zu kümmern, habe man sich publikumswirksam einzelnen Brandherden gewidmet - etwa der Geburtenstation in Crivitz. In Rostock habe man Ärzte durch schlechte Arbeitsbedingungen vergrault, was auch mit den Sparmaßnahmen zu tun habe. Es gebe etwa niemanden mehr, der einen Herzultraschall machen könne bei einem Kind. „Das ist für eine Universitätsklinik unzumutbar.“

Pädiatrie habe es ohnehin schwer, sich zu refinanzieren. Etwa weil Kapazitäten vorgehalten werden müssten, die nur zur bestimmten Jahreszeiten ausgelastet werden, wenn Kinder krank sind. In MV komme erschwerend hinzu, dass es auf die Fläche gesehen hier vergleichsweise weniger Kinder gebe. In Rostock habe man die Geburtsstation und die Neonatologie an der UMR geschlossen. Diese Einrichtungen tragen in anderen Kinderkliniken zur Querfinanzierung bei.

Die Pädiatrie im Land könne sich allein über die Fallpauschale nicht refinanzieren. Es handele sich aber um Daseinsvorsorge, die gewährleistet werden müsse. „Dafür hat das Land keine Lösung gefunden.“

Vergangene Woche hatte die Leitung des UMR zusätzliches Geld zur Verfügung gestellt, nachdem Ärztinnen und Ärzte Kritik am Sparkurs geübt hatten. Sie hatten unter anderem auf Probleme bei der Versorgung in der Kinderklinik verwiesen. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der ärztliche Vorstand der UMR, Professor Christian Schmidt, vorübergehend von seiner Tätigkeit freigestellt wurde.

Kommende Woche sollen die Probleme der UMR im Bildungsausschuss behandelt werden. Von der UMR gab es am Freitag zunächst keine Reaktion.

Aus dem Bildungsministerium hieß es, die Landesregierung stehe hinter der UMR. Insbesondere eine gute Kinder- und Jugendmedizinische Versorgung habe für sie eine hohe Priorität. Das Ministerium verwies auf die zusätzlich bereitgestellten Mittel, die insbesondere für die Kindermedizin freigegeben worden seien. Zudem habe man weitere Kapazitäten für Stellen an der Kindermedizin zugesagt. Zusätzlich zu den Sofortmaßnahmen habe man im Juni diesen Jahres im Bundesrat auf das Grundproblem der nicht ausreichend finanzierten Kindermedizin in Deutschland aufmerksam gemacht und die Bundesregierung zum sofortigen Handeln aufgefordert.